Sehr geehrter Herr Matthies,
als Initiatoren des Besuchs von Brian McLaren fühlen wir uns sehr geehrt von der Aufmerksamkeit, die Sie dem Thema Emerging Church entgegen bringen. Wer hätte das gedacht, dass ein paar kleine Zusammenkünfte ohne große Werbung und mit denkbar knappem Vorlauf quasi aus dem Stand zur Chefsache Ihrer Redaktion werden?
Lassen Sie uns in der Antwort auf Ihren Artikel mit den Gemeinsamkeiten beginnen: Wir alle teilen Ihre Kritik an den Zuständen in den USA ohne jede Einschränkung! Genau deshalb haben wir Brian McLaren eingeladen, der mit Tony Campolo und Jim Wallis in seinem Heimatland diese Zustände seit Jahren anprangert und dafür keinen geringen Preis bezahlt hat. Da haben uns Ihre klaren Worte sehr gefreut, weil wir bisher nie so recht wahrgenommen haben, wie kritisch sie die Folgen der Sozialpolitik der aktuellen US-Regierung bewerten.
Ihre nur zu berechtigte Frage “Wie ist es (…) möglich, dass auf ethischem Gebiet wesentlich schlimmere Missstände herrschen als in Deutschland, wo sich nur 1 bis 2% als evangelikal bezeichnen?” wäre durchaus eine vertiefende Serie in Idea wert! Wir schlagen vor, auch die Haltung der Regierung Bush zu Krieg als Mittel der Politik, Todesstrafe und Ökologie noch in die Problembeschreibung einbeziehen. Sind am Ende zu viele Evangelikale einfach nicht gut für ein Land? Und wenn wir schon dabei sind: Welche evangelikalen Ausbildungsstätten hier zu Lande kooperieren eigentlich mit US-amerikanischen Hochschulen, um ihren Absolventen internationale akademische Abschlüsse zu bieten?
Brian McLaren ist wie fast alle, die sich an der emerging conversation beteiligen, im übrigen explizit nicht mit dem Anspruch unterwegs, anderen Rezepte zu geben oder gar Vorschriften zu machen. Im Gegenteil, er kam nach Europa um bewusst zu hören und zu lernen. Er und Jason Clark waren fast schon zu vorsichtig darin, Dinge zu beurteilen, die sie noch nicht gut genug kennen und verstehen. Während andere Bewegungen über große Kongresse und Bücher in hohen Auflagen Themen, Methoden und Konzepte – durchaus zum Segen für viele Gemeinden – hier vorstellen und verbreiten, dreht sich bei unseren Gesprächen um emerging church nun vieles darum, einen offenen Raum zu schaffen, in dem die ungelösten Fragen, die der tief greifende Wandel der letzten Jahre aufbrechen ließ, ohne Konformitätsdruck und ohne falschen reformatorischen Eifer bedacht werden können. Es ist daher kein Gegensatz zu früheren Ansätzen, wohl aber eine Erweiterung und Ergänzung. Über Willow Creek zum Beispiel habe ich nur positive Aussagen gehört in diesen Tagen – keine Abgesänge. Dafür wird das von Ihnen zu Recht genannte schillernde Attribut “wiedergeboren” und damit verbundene Konzepte von Mission und Gemeindeaufbau rigoros auf den theologischen Prüfstand gestellt.
Sie schreiben: “Es ist kaum eine wirklich neue Erkenntnis dabei gewesen.” Das hatte ja auch niemand vorab suggeriert. Vielleicht hat es uns in Deutschland ja auch nie an Erkenntnis gemangelt. Wohl aber hat es uns an zwei Dingen gefehlt: Erstens an dem Mut, Erkanntes konsequent umzusetzen und dabei alte Zöpfe auch einmal abzuschneiden und ausgetretene Pfade zu verlassen; zweitens an der menschlichen Größe, anderen experimentelle Spielräume einzuräumen, Fehler und Scheitern zu tolerieren und den Nachwuchs oder die Pioniere auch dann zu fördern und zu unterstützen, wenn sie unsere eigenen Vorlieben dabei nicht so bedienen, wie wir es gerne hätten. Auch in diesem (nicht dogmatischen) Sinne gilt doch das reformatorische “ecclesia semper reformanda”. Und da stehen wir Deutsche erst ganz am Anfang, meinen wir.
Wir als Initiatoren von emergent Deutschland haben auf zahlreichen Weblogs und in dem jüngst im Francke-Verlag erschienenen Sammelband “Zeitgeist” eigene theologische und praktische Ansätze zu der Thematik von Kirche in der Kultur der Postmoderne vorgelegt. Dabei spielen die Arbeiten großer deutscher Theologen wie Dietrich Bonhoeffer, Jürgen Moltmann oder auch Karl Barth eine wichtige Rolle. Wenn nun ein internationaler Austausch folgt, dann funktioniert dieser – anders als bei vielen früheren “Importen” – in beide Richtungen. Wir Christen in Deutschland haben schon viel länger Erfahrungen mit weltanschaulichem Pluralismus und fortgeschrittener Säkularisierung als die Kirchen in vielen Gebieten der USA. Die Reaktionen fallen auch bei uns unterschiedlich konstruktiv aus. Vielleicht werden wir auch noch ein bis zwei Generationen brauchen, um zu besseren Antworten zu gelangen – das wäre nicht das erste Mal in der Kirchengeschichte. Die Zeiten eines unilateralen “Exports” aber sind vorbei – egal in welche Richtung.
Das bringt uns zum vorletzten Punkt – in Ihren Worten war das die Frage: “Nimmt man eigentlich noch die Erkenntnisse der eigenen „Väter” zur Kenntnis?“ Ja, selbstverständlich: In der ”emerging church“ werden die christlichen Mystiker des Mittelalters wieder entdeckt, wird über Symbolik und Liturgie diskutiert, entstehen Missionsorden und neue Formen klösterlichen, kontemplativen Lebens, blüht das Interesse am ökumenischen Dialog mit den Ostkirchen in Fragen der Soteriologie neu auf; und von den ”liberalen“ Christen oder den Befreiungstheologen Lateinamerikas lernen wir, unsere Gesellschaft aktiv und engagiert mitzugestalten. Es sind keineswegs nur oberflächliche Anleihen, die hier gemacht werden.
Zuletzt: Sie konstruieren einen für unser Empfinden unhaltbaren und irreführenden Zusammenhang zwischen den bedauerlichen Finanznöten einiger Organisationen und neuen Bewegungen, von denen Sie dann nur ”Emerging Church“ explizit nennen. Es hat uns nachdenklich gemacht, dass Sie hier wirtschaftlich und nicht theologisch argumentieren. Schließlich existiert hier gar kein Verein und kein Werk, es werden keine Spenden gesammelt und keine aufwändigen Kongresse veranstaltet, die große Summen verschlingen.
Die Löcher in den Kassen waren also schon längst da. Wie kommen Sie also zu dem Vorwurf, dass einige hier verantwortungslos anderen in den Rücken fallen? Die Studientage über Emerging Church waren mit dem Leitungskreis der Lausanner Bewegung/Koalition für Evangelisation in Deutschland abgestimmt. Diesem Kreis gehören verantwortlich denkende, international vernetzte und keineswegs unkritische Vertreter aus Kirchen und Werken an. Wir haben auch darüber hinaus vieles unternommen, um dieses Gespräch in die kirchliche Landschaft hier zu integrieren.
Es wird im kommenden Jahr sicher eine Fortsetzung der Gespräche der letzten Woche geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich dann selbst ein Bild zu machen, um nicht auf Meinungen aus zweiter Hand angewiesen zu bleiben. Ob Emerging Church wirklich eine ”Bewegung“ wird, halten wir noch nicht für ausgemacht. Die Kirchen in Deutschland wird Gott reformieren – oder auch nicht. Aber vielleicht hat er, wenn er es tut dafür mehr als nur ein einziges Modell im Sinn.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen in dieser adventlichen Zeit der Erwartung das wache Bewusstsein dafür, dass Gottes Erscheinen in dieser Welt unsere Erwartungen und Vorstellungen – ob konservativ oder ”emergent“ – oft in überraschender Weise auf den Kopf stellt.
Mit freundlichen Grüßen,
Peter Aschoff, Dagmar Begemann, Daniel Ehniss, Tobias Faix, Tobias Künkler, Alex Kupsch, Dominik Sikinger, Jens Stangenberg, Björn Wagner, Daniel Weber


[...] idea: • Helfen uns immer neue Bewegungen? Reaktionen darauf: • mentalrover: Idea fragt: Helfen uns immer neue Bewegungen? • Emergent Deutschland: Offener Brief an Helmut Matthies (idea) [...]
[...] sich letzte Woche etwas eigenartig in Richtung Emerging Church geäußert. Dazu gibt es nun einen offenen Brief auf der Website von Emergent Deutschland. Wer mag, kann in den Kommentaren gern Unterstützung oder [...]
Vielen Dank für den offenen Brief.
Ich stehe voll dahinter.
Hufi
[...] haben dann zusammen reagiert und vieler meiner Gedanken Worte gegeben. Heraus gekommen ist ein offener Brief an Herrn Matthies von IDEA, der auf der Emergent Seite veröffentlicht [...]
Eindeutig im Ton, klar in der Intention, kämpferisch aber nicht taktlos. Respekt für die “Wortkünstler”.
[...] denke jetzt an die verschiedenen Diskussionen um Emergent Deutschland und gerade an eine Predigt, die ich gestern gehört habe: Worte haben Macht. Kriege werden meist [...]
Vielleicht wäre es noch hilfreich bei Idea einen Kommentar mit dem Link zu hinterlassen. War nur so ein Einfall bei Bilck auf die Ideapage.
Allen Respekt und vielen Dank für diese (im doppelten Sinn) geistreiche Antwort auf den schlecht recherchierten und theologisch oberflächlichen Kommentar von Helmut Matthies! Viele aus den Gremien der Allianz finden genau so wie ich so etwas in idea sehr beschwerlich. Ich bete und agiere mit euch für eine Offenheit nach vorne für Experimente und das Neue, das Gott schaffen wird, ob mit oder ohne emerging-Etikett. Bleibt dran!
Axel Nehlsen, Gemeinsam für Berlin, Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evg. Allianz
@Christian:
Ich habe eben einen Kommentar bei idea geschrieben, der aber noch genehmigt werden muss. Ob dies geschieht bezweifle ich, da Beiträge mit Hervorhebungen, unüblichen Abkürzungen, Smilies und so in der Regel abgelehnt werden und Weblinks unzulässig sind. So heißt es zumindest in der Netiquette. ;-)
@Axel
Danke für den ermutigenden Kommentar. Ich hoffe, es wird uns an vielen Stellen Deutschlands gelingen, jenseits von allen Etikettierungen und jenseits von christlich-kultureller Engführung frisch über ein Leben mit Jesus in lebendiger Gemeinschaft ins Gespräch zu kommen. Alles Gute und viel Frische für euch in Berlin!
Auch aus Hamburg herzlichen Dank für die gut geschriebene Antwort von euch! Ich stehe ebenfalls dahinter. Ralf
Wow. Das hätte man wohl nicht besser formulieren können. Respekt.
OT
Es ist ja fast schon ein Qualitätssiegel, von idea mit negativer Kritik bedacht zu werden. Mir gefällt der hervorragend formulierte offene Brief an Herrn Matthies, da er deutklich erkennen lässt, dass es auch einen anderen Umgang miteinander geben kann als den von idea nicht zum ersten mal vorgeführten…
[...] Artikel zum Thema: Helfen uns immer neue Bewegungen? [idea] Offener Brief an Helmut Matthias [Koordinatoren von Emergent Deutschland] Helfen uns immer neue Treibjagden auf neue Bewegungen? [...]
Danke für diese respektvolle und gleichzeitig klare Stellungnahme! Es wird darin Gottes Liebe Sein Traum spürbar.
Ich stehe da voll dahinter!
_Kerstin
danke für den brief, war toll formuliert und drückt auch meine hoffnung nach einem respektvollen und offenen umgang miteinander aus. vielleicht ist jetzt die chance das wir endlich wieder liebevoll miteinander reden können.
[...] soll uns an der liebe erkennen die unter uns herrscht. die hauptsächlich kritisierten haben eine antwort der hoffnung und liebe verfasst und ich hoffe sehr das auf seiten der kritiker auch einsicht [...]
Ich sehe gerade, dass es in der idea morgen auch ein “Pro & Kontra: Brauchen wir die „Emerging Church“?” geben soll, ich bin gespannt.
Ja – Toby ist unser Pro-tagonist :-)
Oh, das kling gut :-)
Bemerkswert formuliert, präzise auf den Punkt gebracht und endlich mal so formuliert, dass ich mich wohl dabei fühle und mich nicht vereinnahmt sehe, irgendein neuen Trend zu folgen. Ich wäre glücklich wenn wir den Begriff EC irgendwie noch aus der öffentlichen Diskussionen lassen könnten, er greift sich sonst zu schnell ab, wir brauchen keinen neuen “run”. (Sonst verschieben wir nur unsere Probleme.) Ich glaube wir sind jetzt dran unseren Ideen Formen zu geben, b.z.w. uns selbst auf den Weg machen, Gottes Träume von Gemeinde ein Gesicht zu geben.
Alle neuen Bewegungen, Willow Creek und vieles andere scheiterte bisher daran, das es nicht umgesetzt werden konnte.
die kritik von idea ist unrichtig und falsch
offensichtlich hat hier jemand nicht seine hausaufgaben gemacht
dieser brief ist zwar sehr gut formuliert
Schade, dass ich nicht idea-Abonnent bin, denn deswegen kann ich jetzt gar nicht mein Abonnement kündigen…
Aber Spaß beiseite: Der Brief ist in der Tat trefflich gut formuliert und stellt inhaltlich durchaus eine berechtigte Kritik an dem offenkundig schlecht recherchierten Artikel dar, der zum einen suggeriert, eine amerikanische “Emergent Church” organisiere Werbeveranstaltungen in Deutschland mit dem Ziel, all diese engagierten Leute zwischen, sagen wir mal bevorzugt 20 -35, deren Herz zuvor für den ERF, die Zeltmission und das Blaue Kreuz (und vielleicht auch idea??) geschlagen hat, für sich zu gewinnen, zum anderen einen lustigen und unerwarteten Antiamerikanismus propagiert. Und Willow Creek ist gescheitert? Interessant…
Zwei Dinge haben mir allerdings nicht so gut gefallen, also übe ich erstmals im Kanon der ansonsten nur Applaudierenden zarte Kritik:
Ich finde den Inhalt des “offenen Briefes” zwar, wie gesagt,
treffend und daher unterstützenswert, auch ist der Brief auf einem stilistisch hohen Niveau verfasst, welches mich von der Diktion allerdings etwas zu sehr an den geschäftlichen Briefverkehr mit Kollegen (ich bin von Beruf Rechtsanwalt)erinnert hat und sogar in Sachen dezenter Ironie manchen juristischen Schriftsatz übertrifft. Umgekehrt mutet der Artikel aus der idea stellenweise plump an. Kurzum: Dies ist ein quasijuristischer Schlagabtausch, den man im weiteren Verlauf vielleicht wechselseitig auf der Basis von Joh. 13, 35 (“Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt”) einer genaueren Überprüfung unterziehen sollte. Ich frage mich, was ein Beobachter aus dem nichtchristlichen Lager zu diesem “lustigen Schlagabtausch” sagen würde. Würde er denken: Diese Christen sind ein Völkchen, dass sich so richtig gerne hat? Nur gottlob: Welcher “Nichtchrist” liest schon idea?
Und Kritikpunkt 2: Im idea-Artikel wabert die Vermutung mit, dass diese ganze Emergent-Sache doch aus den USA ferngesteuert ist, und zwar von einer “Emergent Church”, also einer neuen Kirche, Denomination oder was auch immer, jedenfalls ein organisches, strukturiertes Gebilde, was ja die Emerging Conversation, insbesondere in Deutschland, gerade nicht ist (oder habe ich da was falsch verstanden?)
Ergo vermisse ich ein Dementi in dieser Richtung. Aus dem offenen Brief geht für micht nicht klar hervor, dass “wir” keine neue Glaubensgemeinschaft sind, wobei es für den Unkundigen umso seltsamer anmuten muss, dass ruckzuck ein hochintelligentes Antwortschreiben verfasst und veröffentlicht ist.
Jetzt bin ich aber erstmal auf den Artikel in der neuen idea, den Hufi schon ausfindig gemacht hat, gespannt, in dem die Frage gestellt wird, ob man die “Emergent Church” in Deutschland braucht. Herr Matthies wird sich freuen: Ich kaufe zum ersten Mal die idea! So gewinnt man auch neue Leser ;-)
Zum Beitrag von “wessnet”
Ich stamme zwar nicht aus dem “nichtchristlichen” Lager, bin aber erst vor kurzem auf Emergent Deutschland gestoßen und kann daher die Rolle des Außenstehenden übernehmen. Nach den ersten positiven Eindrücken stellt sich nach diesem Schlagabtausch für mich nun tatsächlich die Frage, worum es den Beteiligten in erster Linie geht: Will ich meinen Standpunkt verteidigen (in letzter Konsequenz bedeutet dies Recht zu behalten) oder will ich einer guten Sache dienen. Jesus stand weit schwereren Angriffen gegenüber und hat sich nicht verteidigt, denn er wusste 2 Dinge mit Bestimmtheit: Gott steht hinter ihm und Gott ist gerecht. Es ist ein Zeichen von Demut, Anfeindungen im Vertrauen auf Gott mit Gelassenheit zu begegnen, auch oder gerade wenn es sich um eine Herzenssache handelt. Weder wird das Neue von Erfolg gekrönt sein, noch wird das Alte von Dauer sein, wenn es nicht auf Liebe gründet. Hiervon war auf beiden Seiten nicht viel zu spüren.
In guter emerging-Manier will ich euch mal in ein paar Fragen mit hineinnehmen, die im Zusammenhang mit diesem offenen Brief in meinem Kopf wabern und die ich vielleicht an machen Punkten etwas überspitze, um sie (auch mir ;o) klar zu machen: Die eine Frage ist die von Demut und Arroganz. Eine Reaktion auf eine Publikation wie die von Herrn Matthies mutet auf den ersten Blick wenig demütig an. Würde wahre Demut sich nicht so wichtig nehmen und nicht reagieren, oder würde sie (egal was sie denkt) vielleicht einfach still leiden? Oder ist es die Arroganz, die sich heraushält und sich nicht auf so eine Diskussion einlässt? Was ist richtig, also jesusgemäß? Stilles Leiden (und dabei in der Gefahr zu stehen, sich heimlich zu freuen, um Jesu willen leiden zu dürfen)? Oder den anderen ernst nehmen und offen und ehrlich seine Gedanken zu äußern (und dabei in der Gefahr zu stehen, der eigenen Kampfeslust zu verfallen, unsachlich und/oder lieblos zu werden)? Der zweite Weg macht mehr Mühe und ist auch gefährlicher, weil man wieder Konfrontationsfläche liefert. Und was ist mit der Reaktion auf die Reaktion? Muss die den gleichen Kriterien standhalten? Heißt Demut da auch schweigen? Und überall die gute alte Frage, was Jesus tun würde… Wie hat er sich Kritik aus dem religiösen Lager gegenüber verhalten (mir ist bewusst, dass die Rollenverteilung hier schwierig ist)? Da gab es oft ziemlich offene Konfrontationen und nur selten das Schweigen. In welchen Situationen hat er was warum getan?
Soweit mal meine unausgegorenen Gedanken. Würde mich freuen, gemeinsam hier weiterzudenken und auch diese Frage des Umgangs mit Kritik zum Teil der “Conversation” zu machen.
Mir scheinen die Empfindungen, was “lieblos” ist, auch ziemlich auseinander zu gehen. Das Harmoniebedürfnis der einzelnen ist recht unterschiedlich. Aber Liebe ist eben nicht einfach nur Harmonie. Sie sagt dem anderen nicht einfacxh nur das, was er gerne hören würde. Jesus scheint mir gar kein Harmonietyp zu sein. Dann müssen wir es auch nicht.
Eine andere Sache sind unsachliche Behauptungen und böse, verletzende Worte. Aber für mein Empfinden haben wir diese Grenze hier nicht überschritten.
Ich fand den Absatz am Ende schön:
“Es wird im kommenden Jahr sicher eine Fortsetzung der Gespräche der letzten Woche geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich dann selbst ein Bild zu machen, um nicht auf Meinungen aus zweiter Hand angewiesen zu bleiben. Ob Emerging Church wirklich eine ”Bewegung“ wird, halten wir noch nicht für ausgemacht. Die Kirchen in Deutschland wird Gott reformieren – oder auch nicht. Aber vielleicht hat er, wenn er es tut dafür mehr als nur ein einziges Modell im Sinn.”
Einladend und offen. Ich würde mich freuen, wenn jemand von IDEA mit dabei wäre und meine Hoffnung wäre es, dass sie/er nicht wegfährt und sagt: “Jetzt habe ich verstanden wie das mit dieser Emerging Conversation ist”, sondern: “Ich habe mich dort als Andersdenkende/r angenommen und als Teil des Leibes gefühlt” das wäre mein Ziel dabei.
Ich fand auch die Fragen von Daniel Weber gut, denn es liegt nicht in meinem Naturell einen solchen Brief zu schreiben, ich habe es aber doch zu meinem Anliegen gemacht, weil man nicht immer nur schweigen kann und ich zu oft um der Liebe willen oder um Konflikte zu vermeiden geschwiegen habe. Jesus hat auch Diskussionen geführt und Fragen gestellt – man denke an den 12 Jährigen im Tempel (Lukas 2, 46-47) Fragen und Antworten geben.
Ich glaube es geht nicht um Stellung oder Prestige oder darum zu gewinnen, sondern darum einen Dialog aufzunehmen. Riesen muss man ab und an mal rütteln, um sich bemerkbar zu machen.
Soweit mal von mir. Ich bin froh und dankbar über die vielen guten Kommentare…
@Daniel Weber und @Jörg
Zwei Dinge sind mir spontan dazu eingefallen:
1.) Frage: Ist es immer richtig, nur danach zu fragen, wie Jesus mit der Kritik und Anfeindung umging? Natürlich ist das immer die erste Frage, aber es gibt sicher auch andere biblische Personen, die mit Anfeindung umzugehen hatten (Paulus?), sowie andere Jesus-Nachfolger, die mit der Kritik ihrer jeweiligen Zeit umgehen mussten (Luther?).
Können/dürfen diese nicht als Vorbild dienen?
Muss Stellungnahme, Rechtfertigung, Verteidigung automatisch unbiblisch sein?
2.) scheint mir hier genau die eine Frage wichtig:
Oder besser: wozu !
Insofern kann ich Jörgs Dichotomie nicht nachvollziehen:
Dies sind zwei orthogonale Ansprüche, die man nicht mit einem “oder” als Extreme einer Linie aufstellen kann.
Wenn ich mich also entscheide, der “guten Sache zu dienen”, dann stehe ich trotzdem vor der Beurteilung und Entscheidung, ob in einem konkreten Fall die Verteidigung oder das Stillhalten eher geeignet ist, dieses Ziel zu stützen.
Auf diesen offenen Brief bezogen heißt das also, folgendes zu überlegen:
Was würde passieren, wenn er nicht geschrieben worden wäre?
IDEA, als in traditionellen christlichen Kreisen doch breit wahrgenommenes Magazin tritt als Meinungsmacher und Ansichts-Konstrukteur auf, welcher das Bild über den Begriff Emerging Church und die in Deutschland gerade frisch aufkommende Bewegung dazu
in einer -wie ich denke- entscheidenden Phase bei ihrem Leserkreis stark prägt.
Effekt-Journalismus, wie im kritisierten IDEA-Artikel zu finden, kann dort einen enormen Schaden anrichten und Fronten bereits in einem frühen Stadium verhärten.
Ein Stillhalten, Gewährenlassen und mit frommer Demut verargumentiertes Schweigen, welches also notwendige Klarstellung vermeidet, scheint mir daher nicht geeignet, der “guten Sache” zu dienen.
Heißt: Einen aufkommenden, sachlichen, von Ernsthaftigkeit geprägten Dialog über christlichen Glauben und Mission in zeitgenössischer Gesellschaft/Kultur zu unterstützen.
Leute, die -wie ich- nicht im Zentrum der EmCh-Szene stehen, sondern diese eher vom Rand her befürwortend beobachten, werden in ihren traditionellen Gemeinden vor enormen Schwierigkeiten stehen, wenn die dortigen Führungspersönlichkeiten ihre Urteile durch diese Art Artikel schon vorher gefällt bekommen haben.
Just my 2ct
@Daniel
Hallo Daniel, ich bin begeistert von Deinem Kommentar, denn durch Dich wurde mir heute die Grundbotschaft des Christentums wieder vor Augen geführt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich sebst und dazu gehört es, stets das Beste zu erwarten. Wenn ich ehrlich bin, so war ich nach der Vorgeschichte skeptisch, ob mein Kommetar auf fruchtbaren Boden fallen würde. Ich war sehr gespannt auf die Art der Reaktion, denn diese sagt mehr über die Gesinnung der Projektteilnehmer aus, als gut formulierte Leitsätze.
Nun aber kurz zu Deinen Anmerkungen, bevor ich mich in den Weihnachtsdschungel stürze. Eine gute Diskussion sollte nie gemieden werden, aber es ist ein Unterschied, ob ich für eine gute Sache eintrete oder ob ich mich verteidige. Ich kann mich nicht entsinnen, dass sich Jesus einmal verteidigt hätte oder dass er sich der Ironie bediente. Kannst Du Dir Jesus vorstellen, wie er über andere Menschen spottet? Die ebenso ein Geschöpf Gottes sind wie wir? Auch ich überzeichne jetzt etwas, damit wir wieder den Samen erkennen, der in weiteren Eskalationsstufen gedeihen wird, sich zwischen die Menschen drängt um alles Gemeinsame zu trennen. Am Anfang steht immer der Samen, klein und unscheinbar, aber von zerstörericher Kraft. Es geht nicht darum, Uniformitat zu schaffen, sondern eine gemeinsame Basis unter den Christen, auf der die verschiedenen Ausprägungen gedeihen können. Wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir die Menschen nicht erreichen und das Streben der ED bleibt ohne Frucht.
Wenn wir also angegriffen werden, so verteidigen wir uns nicht, denn das Macht Gott für uns, sofern er mit uns ist, sondern wir treten ein für das woran wir glauben – mit Liebe im Herzen und nicht mit Enttäuschung oder gar Zorn. Man kann es drehen und wenden, aber Liebe ist hier kaum zu spüren. Ich will Erneuerung in der Sache und das bedeutet zuallererst Erneuerung unseres Denkens und damit unsers Handelns. Wir können keine positive Erneuerung erzielen, wenn wir uns nicht auf unsere Stärken konzentrieren, auf das Gute – in jedem von uns. Und damit komme ich zurück auf den Beginn meines Kommentars – sei eifrig in der guten Sache, aber liebe dabei deinen Nächsten wie dich selbst.
Herzliche Grüße. Jörg
Liebe Leute, hier bemerkt man wieder mal, wie die Christen sich oft selbst austricksen (lassen): werden sie unfair angegriffen, dann machen sie sich vor allem Gedanken darüber, ob ihre Reaktion der Liebe entspricht und sind anfällig dafür, sich auch noch selbst fertig zu machen/machen zu lassen. Deswegen ist es in christlichen Kreisen auch so risikolos, andere unfair anzugehen.
Wenn man – was ja hier wohl Konsens ist – sich an Jesus orientiert, dann stößt man auf sehr viele klarere Ansagen: als man über ihn behauptete, er habe einen unreinen Geist, überließ er die Antwort nicht etwa Gott, sondern antwortete (Mt. 3,29f), dass dies eine unvergebbare Sünde sei (man stelle sich mal den Aufschrei vor, das würde heute jemand zu einem Leitartikelschreiber sagen …).
In der Tat: Jesus hat sich tatsächlich selten verteidigt – stattdessen griff er an. Sogar, indem er einen Vorwurf einfach mit einem Gegenvorwurf beantwortete (Mt. 15,1-7). Oder was wäre, wenn jemand über den Redakteur eines christlichen Nachrichtenmagazins sagen würde: “lasst ihn, er ist ein blinder Blindenführer, und er wird mit denen, die er führt, in die Grube fallen (Mt. 15,14)” (natürlich vorausgesetzt, es würde stimmen)? Wäre das noch politisch … äh … christlich korrekt?
Um es auf den Punkt zu bringen: wenn Jesus über Leute, die wie er Juden waren, sagt: “Hütet euch vor dem Sauerteig der Parisäer” und sie Heuchler und Gräber nennt – ist das noch mit der Liebe zu vereinbaren oder nicht? Weil es Jesus war, muss solch eine Wortwahl doch wohl noch innerhalb der Spannweite der Liebe liegen. Und dass nur Jesus so reden darf, aber seine Nachfolger nicht, das wird wohl im Ernst keiner behaupten wollen, zumal Paulus da ja auch nicht zimperlich war.
Ich vermute, dass wir einen auf Nettigkeit verengten Begriff von Liebe haben. Wir wollen ja auch nicht mehr dieses ganze Gezänk unter Christen. Will ich ja auch nicht. Aber deswegen lasse ich mich nicht auf die Figur ein, dass irgendwie immer beide Seiten Schuld haben. Und ich sehe nicht, dass man für jeden Tritt ins Kreuz brav “danke für den Denkanstoß” sagen muss. Und sich hauptsächlich Gedanken darum macht, ob man in der Antwort auch nett genug war.
Danke Walter. Das schneide ich mir aus und rahme es ein! :-)
Danke Walter, eine deutliche Ansage, die wiederum mich zum Nachdenken bringt. Ich war bisher einfach nie Fan von “offenen Briefen”. Hat für mich doch immer etwas von “genauso zurückschießen”, zumindest auf der formalen Ebene. Wenn wir uns wünschen, dass uns andere im persönlichen Gespräch fragen, was wir mit emergent meinen und verbinden – sollten wir dann nicht auf eben dieser Ebene die Kritiker fragen, wo das eigentliche Problem mit emergent liegt?
Aber ich bin einfach kein Lutheraner, vielleicht fehlen mir deshalb in solchen Fällen die “cojones” :) Die Frage bleibt eben: Erreichen wir so einen Dialog (den ich einfach naiverweise noch immer für möglich halte…)
Ich möchte noch einmal, damit es nicht untergeht, betonen, dass es mir bei meinem Kritikpunkt 1 um die DIKTION, nicht um den Inhalt und nicht einmal um einzelne Stilmittel wie Polemik oder Ironie (mögen die Sprachwissénschaftler beurteilen, worunter einzelne Elemente des offenen Briefes fallen) geht.
Die dahinter stehenden Fragen sind eigentlich, was der Verfasser für eine Wirkung beim Empfänger erzielen will, und ob zu erwarten steht, dass eine gegebenenfalls gut gemeinte Absicht auch beim Adressaten ankommt.Und wie kommt das beim “unbefangenen” Leser an?
An der guten Absicht der Verfasser zweifle ich nicht (bin ich nicht nett ;-) ), nur frage ich mich, wie Herr Matthies diesen Brief wohl lesen wird. Bleibt bei ihm das nette Angebot zum künftigen Besuch hängen oder die “Zwischentöne”? M.E. besteht ein Text übrigens aus mehr als den geschriebenen Worten: Es gibt auch das, was zwischen den Zeilen steht oder im Kopf auf eine rhetorische Frage nachhallt.
Dass Jesus sogar gerne mal harte Worte verwendet und das Streitgespräch nicht gescheut hat, lässt sich z.B. schön in Mt.3,7 nachlesen. Kritik, Diskurs, Konfrontation sind keine Dinge, die es zu vermeiden gilt, ich bin der Letzte, der “Nettigkeit” im Sinne des Mutierens in einen masochistischen Punchingball gutheißen würde, aber dahinter sollte immer die Frage stehen, was ich erreichen will (und soll), und ob das verwendete Mittel diesem Ziel dient.
Auf meinen Punkt 2 ist übrigens noch niemand eingegangen. Seht ihr das anders, oder ist das unter den Tisch gerutscht?
Und jetzt würde ich mich sehr freuen, wenn Herr Matthies einmal Stellung beziehen würde. Lasst die Konversation beginnen! Morituri te salutant (Asterix-Latein, eigentlich etwas unpassend: Lateiner, was heisst denn bitte “Die dem Leben Geweihten”? Vivaturi?)!
Sehr geehrter Herr Aschoff,
ich danke Ihnen für Ihren ausführlichen „Offenen Brief“ und freue mich über das große Echo auf mein Editorial.
Ich wurde zu meinem Kommentar von Teilnehmern der Marburger Vorstellung von „Emerging Church“ angeregt, die mich baten, doch einmal eine Debatte über die Notwendigkeit dieser neuen Bewegung anzuregen, nachdem (!) wir bisher über die „Emerging Church“ nur (!) positiv berichtet hätten (z.B. durch eine lange, lobende Besprechung des Buches „Zeitgeist“ im Oktober). Ich schrieb dann meinen Kommentar zusätzlich (!) zu einer längeren Meldung, die im selben ideaSpektrum über die Veranstaltung und „Emerging Church“ selbst informierte. Gleichzeitig habe ich dafür gesorgt, dass ein Repräsentant von „Emerging Church“ – Dr. Tobias Faix – im Rahmen eines Pro und Kontras im dieswöchigen ideaSpektrum zu Wort kommt, so dass Ihre Bewegung noch mal im Originalton darüber informieren konnte, wie sie sich selbst versteht. Obwohl die an uns gegangenen Reaktionen auf meinen Kommentar in idea bislang fast ausschließlich positiv sind, haben wir bewusst der bis dahin (Montag, 18 Uhr) einzigen Kontra-Position zu meinem Beitrag einen längeren Platz eingeräumt als den Zustimmenden. Das grenzt schon an Manipulation, aber wir wollen auch hier eine faire Diskussion ermöglichen. Außerdem haben wir selbstverständlich auf unserer Internetseite auf Ihren „Offenen Brief“ hingewiesen. Gern bringen wir dort – wie auch in ideaSpektrum – weitere kritische Stellungnahmen. Natürlich bin ich überrascht über manche Argumente – sowohl in Ihrem „Offenen Brief“ als auch in den Reaktionen darauf -, weil ich mich teilweise massiv missverstanden fühle. Doch ich hasse Rechtfertigungen. Deshalb kann ich nur jeden Kritiker bitten, sich meinen Kommentar und die Meldung über die „Emerging Church“ durchzulesen und sich dann ein Urteil zu bilden.
Etwas verwundert bin ich, dass man mich in den bei Ihnen wiedergegebenen Voten kritisiert und dabei bei einigen deutlich wird, dass man weder meinen Kommentar noch unsere Meldung gelesen hat. Etwas amüsiert bin ich auch über die Reaktion von Axel Nehlsen, wenn er schreibt: „Viele aus den Gremien der Allianz finden genauso wie ich so etwas in idea sehr beschwerlich.“ Von den „vielen“ Hauptvorstandsmitgliedern hat sich bei mir bisher kein einziger gemeldet, obwohl ich mit „vielen“ in den letzten Tagen zu tun hatte. Aber das ist vielleicht auch ein Problem der gesamten Streitkultur unter Christen, dass es möglicherweise an Mut und Wahrhaftigkeit etwas mangelt. Ich jedenfalls lade alle ein, sich in ideaSpektrum an der Debatte zu beteiligen. Unser Prinzip bei Leserreaktionen ist jedenfalls, dass die, die uns – und besonders auch mich als idea-Leiter kritisieren – eher abgedruckt werden als uns lobende Briefe.
Ihnen und allen anderen Kritikern wünsche ich Gottes Segen.
Helmut Matthies
Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea
Auch ich sage: Danke Walter. Das ist etwas, was ich mir auch sagen lassen muss.
Alex, ich halt mit dir zusammen einen Dialog für möglich. Der Dialog wird aber mit den Menschen vor Ort in den Gemeinden schwierig, wenn unsere Kritiker da schneller und lauter sind als wir (idea ist da ja noch harmlos). Deshalb denke ich, dass auch offene Briefe und so sinnvoll sind. In wenn in der heutigen idea nur kritische Leserbriefe und ein “Kontra-Emerging Chuch” ständen, wäre das sicherlich nicht so hilfreich für uns. Deshalb freue ich mich das auch ein guter Leserbrief von Simon de Vries und ein “Pro” von Tobias Faix zu lesen sind. Danke an euch beide, ihr habt es beide wirklich gut geschrieben!
Oh, ich habe meinen letzten Kommentar abgeschickt, bevor ich den Kommentar von Helmut Matthies las.
Deshalb noch mal als P.S. zum letzten Kommentar:
Es freut mich sehr, dass Sie, Herr Matthies, sich hier in den Kommentaren äußern. Vielen Dank!
Wie gesagt, es hat mich gefreut den Leserbrief von Simon de Vries und das Pro von Tobias Faix heute in idea zu lesen. Nicht gefreut habe ich mich über die Überschrift “Brauchen wir aus den USA die ‘Emerging Church’”, der Begriff stammt vielleicht aus den USA, aber die Gedanken werden nicht einfach übernommen. Schon bevor der Begriff (hier) bekannt war, gab es auch in Deutschland Menschen, die sich Gedanken gemacht und etwas getan haben, was später als “Emerging Church” bezeichnet wurde.
Sehr geehrter Herr Matthies,
vielen Dank für Ihre Antwort auf unseren offenen Brief. Vielleicht rechtfertigt die Anzahl der Unterzeichner und Unterstützer ja die höhere Gewichtung, die Sie freundlicherweise gewählt haben, am Ende doch. Dass Sie für diese Argumentationslinie viel Unterstützung bekommen, war aus meiner Sicht zu erwarten. Eben deshalb haben wir diese Antwort in Form des offenen Briefes ja auch gewählt.
Es sollte allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass wir uns generell von idea schlecht behandelt gefühlt hätten. Der Bericht vom Studientag (und nun die Pro/Contra Seite) sind durchaus anerkannt und gewürdigt worden, wie die Presseschau von Daniel Hufeisen exemplarisch zeigt: http://einaugenblick.de/2007/11/23/emergent-marburg-hamburg-erlangen/
Für unsere Diskussion, die ja eben erst beginnt, fände ich es jenseits aller Abneigung gegen Rechtfertigungen vielleicht doch hilfreich, dass Sie uns wenigstens in kurzen Andeutungen erklären, wo Sie sich missverstanden fühlen, zumal es nach gravierenden Missverständnissen klingt. Das erleichtert die Verständigung auf allen Seiten, und ein durchaus kontroverses Ringen um faire Reaktionen können Sie den Kommentaren zum offenen Brief ja auch entnehmen.
In diesem Sinne – herzliche Grüße,
Peter Aschoff
Sorry Herr Matthies, kleine Verständnis-Zwischenfragen am Rande:
1.) Welchen Text genau bezeichnen Sie mit “meinen Kommentar”? Den verlinkten Artikel aus dem Offenen Brief?
2.) Wo genau befindet sich auf Ihrer Internetseite der Hinweis auf den Offenen Brief? (Oder meinen Sie damit die URL im Kommentar von Peter Aschoff zu Ihrem Artikel, die leider nicht als Link dargestellt wird?)
3.) Sie haben recht, ich persönlich urteile ausschließlich nach dem Online zugänglichen Material, vielen Dank daher für Ihre Kurzübersicht über die in Idea selbst publizierten Inhalte in Ihrem Kommentar oben. Leider habe ich dadurch Eindruck erhalten, dass das online frei verfügbare Material (Ihr Editorial sowie der Teaser zum aktuellen Idea-Artikel) eine andere Stimmung vermittelt, als das Kostenpflichtige. Ist das der Fall?
PS: Wenn man auf idea.de in die Suche “emergent” oder “emerging” eingibt, gelangt man ausschliesslich auf den Leadsatz zum Artikel “Kirche braucht Revolution und nicht nur Reformation”, welcher dann käuflich erwerbar ist. Ist das ein Fehler in der Suchfunktion?
@wessnet: Kurze Antwort auf Deinen Kritikpunkt 2:
Nein, die Emergent-Sache ist nicht aus den USA ferngesteuert, aber inspiriert – aber ebenso aus Deutschland, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Afrika etc.
»Emergent Deutschland« ist auch keine neue Glaubensgemeinschaft, sondern ein loses Netzwerk. Mehr auf diesem Blog unter –> vernetzen –> verstehen.
@DoSi
Gracias, wobei mir als Teilnehmer des EF in Erlangen schon klar war, dass das so ist, ich habe den Punkt nur als Statement im offenen Brief vermisst, da ich denke, dass es ein naheliegender Irrtum eines unkundigen Lesers des Editorials von Herrn Matthies sein könnte, anzunehmen, eine “Emerging Church” (natürlich nicht “Emergent Church”, wie ich versehentlich im Eifer des Gefechts geschrieben habe)habe die Veranstaltungen in Deutschland organisiert.Aber mit Deinem Post ist das ja nun auch offiziell klargestellt.
@Alle
Sehr erfeulich finde ich, dass nunmehr eine inhaltliche Diskussion begonnen hat, die in Inhalt und Stil der Tatsache gerecht wird, dass hier gläubige Christen, die Jesus nachfolgen wollen, miteinander über Probleme und Missverständnisse reden, die sicherlich und wohl auch für beide Seiten unerfreulich sind, aber im Lichte der aktuellen Probleme unserer Mitmenschen nicht ganz im Focus des öffentlichen Interesses stehen.
Nachdem ich heute den aktuellen Podcast (Nr. 8, siehe oben oder bei iTunes) von Brian McLaren gehört habe und mir daher noch einmal die Geschichte von den zwei Zetteln in Erinnerung gerufen wurde, welche Mclaren einige Schüler hat schreiben lassen, einmal mit den Problemen in der christlichen Gemeinde, einmal mit den Problemen in der Welt, hoffe ich, dass uns ähnlich wie den Schülern beim Vergleichsblick auf beide Zettel, die wir auch heute für uns ausfüllen können, klar wird, welches die wirklich wichtigen Themen sind, wie wir sie gemeinsam und sicherlich auch auf unterschiedlichen Wegen anpacken können, damit die Christen in Deutschland zum Segen für dieses Land werden können, und jetzt drücke ich mich mal klassisch aus: Gott dabei verherrlicht wird.
MentalRover: Im Auftrag von Herrn Matthies antworte ich auf Ihre Fragen:
Zu 1.) Ja, es handelt sich bei „Mein Kommentar“ um den verlinkten Artikel aus dem Offenen Brief.
Zu 2.) Ja, der Hinweis auf den Offenen Brief befindet sich im Kommentar von Herrn Aschoff; Links in Kommentaren werden auf idea.de nicht verlinkt.
Zu 3.) Es gibt nur diesen einen veröffentlichten Kommentar von Helmut Matthies. Dabei handelt es sich um das Editorial in der aktuellen Ausgabe von ideaSpektrum Ausgabe 50/2007 (Seite 3). Damit Sie sich selbst eine Meinung über die angesprochene Meldung machen können, hier der Link auf die entsprechende Meldung.
Zu PS) Die Suchfunktion auf idea.de bezieht sich auf das Nachrichtenarchiv und nicht auf ideaSpektrum-Beiträge. Aus diesem Grund ist der Kommentar/Editorial von Herrn Matthies nicht über die Suche auffindbar.
Mit freundlichen Grüßen
i.A. Bernhard Limberg (Internetredakteur)
Vielen Dank Herr Limberg.
hoffen wir, dass wir vielleicht etwas zurückkommen zu der mittelalterlichen disputationskultur (nur hoffentlich jenseits der damaligen vorbelastung durch das heidnisch-aristotelische weltbild und seine mitbringsel, dass man gegen den strich versucht hat zu verchristlichen) in der man heftigst disputieren und um wahrheit ringen konnte als christen (!!) und doch anschliessend (besonders bei promotionsdisputationen) gemeinsam feiern und im gottesdienst wie auch sonst gemeinsam beten und handeln konnte – möge dass doch dem ringen der emerging conversation zu teil kommen wo es doch um das ringen geht das evangelium im kontext der gegenwartskultur verständlich zu leben zu denken zu kommunizieren zu feiern zu praktizieren…
Wir müssen uns im Klaren sein, was “wir” strategisch wollen und was Medien mit “uns” machen. Welche Rollen nehmen “wir” ein, in welche Rollen lassen “wir” uns drängen. Welche Rolle wollen „wir“ spielen?
Die Rolle von idea ist klar, so ein Journalismus will Aufmacher, Neues und Strittiges. So funktioniert das nun mal, inwieweit wollen wir aber mitspielen? EmCh hat alles was man braucht um Schlagzeilen zu machen. Modern wäre es, sich der Medien zu bedienen. Und die EmCh-Szene (Wer? Gurus, Pastoren?) kann sich die Medien zu Nutze machen [oder aber auch nicht ...] in dem man sich ins Gespräch bringt, Aufmerksamkeit erhascht, Positionen bezieht, sich zu rechtfertigen versucht u.s.w.
Aber das geht dem Gedanken der emerging conversation zu gegen, wenn ich es richtig verstanden habe.
Wir haben doch eigentlich schon jetzt einen anderen, neuen Weg gesucht, wir arbeiten mit dem Internet (und idea mit Papier). Natürlich ist Papier zurzeit noch gefährlicher… Haben “wir” das wirklich nötig deswegen Angst zu haben, oder kommt das Postmoderne sowieso… Und suchen wir mehr nach Antworten auf diese Herausforderungen.
Was wir tun ist doch was total Normales; wir stellen (in)Fragen. Davor brauchen wir doch keine Angst zu haben unter die Räder zu kommen, die mächtigste Waffe, die es zurzeit gibt, ist Fragen zu stellen…
[...] wenn ihr mit IDEA etwas anfangen könnt… …dann ist es sicherlich interessant die Antwort und Diskussion zwischen Helmut Matthies und einigen anderen verfolgen, die sich auf der Emer…entsponnen [...]
@Siegmar George
Sie schreiben: „Wir haben doch eigentlich schon jetzt einen anderen, neuen Weg gesucht, wir arbeiten mit dem Internet (und idea mit Papier).“
Als Internetredakteur reizt es mich, diese Aussage zu kommentieren. Dazu folgendes: idea hat in den letzten acht Monaten sein Internetangebot massiv ausgebaut. An allen sieben Tagen der Woche gibt es – oft stündlich aktualisiert – Meldungen sowie das Thema der Woche, ideaSpezials uvm. Die steigenden Nutzerzahlen (IVW-geprüft) bestätigen, dass idea damit auf die Gewohnheiten seiner Leser eingeht und ein dementsprechend attraktives Angebot anbietet. Dazu gehört die Möglichkeit, Meldungen und ideaSpektrum-Beiträge (neben den klassischen Leserbriefen) zu kommentieren.
Alle Meldungen der Nachrichtenagentur und somit auch die über „Emerging Church“ werden sofort online gestellt. Sie können sicher sein, dass idea sein Internetangebot weiter ausbauen wird. Und das sehr bald.
Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Limberg (Internetredakteur)
[...] Helmut Matthies zu »Emerging« sagt – um sich anschließend die postwendend veröffentlichte Gegenreaktion (samt Kommentaren) durchzulesen. [...]
@ Siegmar George:
Ich kann Dein Anliegen nicht nachvollziehen. Mir scheint als würdest du uns hier einige Dinge unterstellen von denen Du nur bedingt Kenntnis zu haben scheinst. Besuche ich dann die Site die mit deinem Namen verbunden ist sticht das Wort „emerging church“ direkt in der ersten Überschrift, dem Titel der Site, in mein Auge – und da Frage ich mich wie du von der Benutzung des Begriffs auf der verlinkten Site zu den Vorwürfen kommst wir würden den Begriff „missbrauchen“?
Lieber Herr Matthies, nachdem ich ihren Artikel, den offenen Brief von Herrn Aschoff und ihren Kommentar darauf gelesen habe, ist mir nicht klar geworden, in welcher Hinsicht sie missverstanden worden sein könnten – schon gar nicht massiv. Nach meinen Begriffen nimmt der Offene Brief absolut adäquat Stellung zu den impliziten Vorwürfen, die sie – für jeden leicht erkennbar – in ihrem Artikel formulieren.
Was Peter Aschoff und die anderen Autoren formuliert haben, spricht mir aus dem Herzen.
Gofi Müller
An die Schreiber des offenen Briefs an Helmut Matthies!
Meint Ihr wirklich, Herr Matthies habe mit den „eigenen Vätern“ die Mystiker des Mittelalters gemeint? Er dachte doch gewiss an die Väter des Pietismus und unsere Reformatoren. Die Reformation, die diese Mystik und das Klosterwesen überwunden hat, begann nicht damit, dass ein Mann ins Kloster einkehrte, sondern aus dem Kloster ging. Heute läuft eine sanfte Gegenreformation.
Die Mystik ist gewöhnlich konfessionsübergreifend und kennt oft genug keine dogmatische Abgrenzung. Sie führt in eine ebenso katholische, wie ökumenische und falsche Spiritualität. Dies belegt auch Doug Pagitt, Pastor von Solomon’s Porch und Mitherausgeber des Buches An Emergent Manifesto of Hope (Baker Books, 2007), und einer der führenden Gestalten der Emerging Church. In seiner Gemeinde kann man sogar Yoga-Kurse belegen.
Ich kann Herrn Matthies nur zustimmen. In der Bibel heißt es: „Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, so werdet ihr auch im Sohn und im Vater bleiben“ (1 Joh. 2,24). Die Rückkehr zu diesem Wort ist angesagt, um noch ein geistliches Ziel zu erreichen, nicht immer neue Methoden und, wie bei McLaren üblich, eine fromm getarnte Aufweichung der Schrift, indem man alles und jedes in Frage stellt.
Die Emerging Church und ihre Protagonisten erinnern mich viel mehr an eine Warnung des Apostels Paulus bezüglich der letzten Tage: „Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken“ (2. Tim. 4,3).