koordinationskreis

Selbstverständnis und Arbeitsweise des Koordinationskreises

Dieses Manuskript hat das Ziel, Interessierten einen kurzen Überblick zu dem Stichwort “Koordinationskreis ED” zu geben. Damit soll gerade auch für “Neue im Netzwerk” die Transparenz erhöht und mögliche Missverständnisse reduziert werden. Unter anderem geht es darum, folgende Fragen zu beantworten:

  • Wie ist der Koordinationskreis entstanden und wie kommt man dort hinein, wenn man möchte?
  • Auf welchem Wege werden von wem welche Entscheidungen getroffen?
  • Welchen Einfluss nimmt der Koordinationskreis auf die weitere Richtung von ED?

Geschichte

Der Koordinationskreis ED wurde 2006 aufgrund privater Initiative von einzelnen freundschaftlich verbunden Christen ins Leben gerufen. Zu diesem Zeitpunkt gab es weder den Begriff “Koordinationskreis” oder “Emergent-Deutschland” noch irgendeine Art von Struktur. Auslöser für das erste unverbindliche Treffen waren verschiedene Berührungsflächen mit weltweiten “emergenten Strömungen”, die sich begannen, auch im deutschen Sprachraum zu artikulieren. Es sollte darum gehen, eine Begegnungsplattform zu initiieren, an der Personen, die an solchen Themen interessiert sind, andocken können.

Ziel war es, eine geeignete Rahmenstruktur zu finden und zu fördern, in der ein konstruktiver Dialog über “emergentes Gedankengut” geführt werden kann. Weder sollte und soll eine weitere “amerikanische Idee” unkritisch übernommen, noch eine neue Gemeindebewegung unter dem Namen “emerging church” propagiert und in Deutschland ins Leben gerufen werden.

Grundgedanke

Das Hauptanliegen besteht nach wie vor darin, jenseits von “konfessionellen Schützengräben” und frommen (Selbst-)Festlegungen aufeinander zu hören, voneinander zu lernen und außerhalb des Gewohnten zu denken und zu handeln.

ED lebt von einer Atmosphäre gegenseitigen Respekts und Achtung, egal wie unterschiedlich die theologischen und ethischen Überzeugungen sein mögen. Ziel ist es, eine bestmöglich angstfreie Gesprächskultur zu modellieren, in dem sowohl verletzende und ermüdende Gemeindeerfahrungen als auch unkonventionelle theologische Gedankenspiele gleichermaßen geäußert werden können. All das ohne fromme Zensur durch ein hierarchisches Gremium oder die zwingende Verpflichtung, seine Ideen anschließend praktisch umsetzen zu müssen, um überhaupt erst ernst genommen zu werden.

Leitungsverständnis

Auf diesem Hintergrund versteht es sich ganz von selbst, dass der Koordinationskreis ED kein Leitungsgremium im üblichen Sinne ist. Das ist wichtig zu betonen, weil es an diesem Punkt leicht zu Missverständnissen kommen kann.

Genauer: Die Teilnehmer des Koordinationskreises sind weder Delegierte einzelner Abteilungen noch offizielle Repräsentanten einer “emergenten Szene”. Ebenso wenig ist der Koordinationskreis ein “innerer Zirkel von Berufenen”. Die derzeitige Zusammensetzung ergibt sich schlicht aus den gewachsenen Beziehungen von aktiv Beteiligten, die sich unter dem o.g. Hauptanliegen zusammen gefunden haben.

Von dort her ist der Koordinationskreis eher als eine den dialogischen Rahmen moderierende Initiativgruppe zu verstehen. Er ist zugleich Kristallisationspunkt für theologische Reflexionen, Vordenkerraum für mögliche Entwicklungen und Andockangebot für thematisch Interessierte. Innerhalb dieser verschiedenen Bezugsfelder entstehen inspirierende Wechselbeziehungen jenseits hierarchischer Rollenmuster.

Arbeitsweise

Die Teilnehmer des Koordinationskreises kommen aus allen Teilen Deutschlands. Weil es terminlich kaum möglich ist, sich mehr als zweimal pro Jahr zentral zu treffen, braucht es unterstützende Maßnahmen wie Telefonkonferenzen oder Online-Software, um sich bei Bedarf miteinander abzustimmen. Mit der Betonung auf Zuhören, Austausch und Koordination sind folgende Aufgabenfelder im Blick.

  • Förderung eines Netzwerkes von Personen und Gemeinden, die sich bereits mit “emergenten Gedankengut” auseinander setzen oder es in Zukunft tun wollen.
  • Aufgreifen von inhaltlichen Anregungen aus internationalen Strömungen und die Verlängerung in den deutschen Sprachraum.
  • Das Setzen und Vorausdenken von Themen, die für unseren hiesigen Kontext als relevant erscheinen.
  • Die Vertretung und Darstellung des ED-Netzwerkes in der Öffentlichkeit.

Beteiligung

Die Mitarbeit im Koordinationskreis steht grundsätzlich jedem offen, der zeitlich verfügbar ist und sich mit dem Hauptanliegen identifizieren kann. Dabei wünschen wir uns, dass sich Frauen und Männer unterschiedlichen Alters und konfessioneller Prägung in ausgewogener Anzahl für diese Aufgabe gewinnen lassen.

Wer Interesse an der Mitarbeit im Koordinationskreis hat, spricht einen daran Beteiligten an. Der reguläre Zeitpunkt einzusteigen, ist nach dem jährlichen Forum im November, wenn es in die Planungsphase für das jeweils kommende Jahr geht. Bei allem ist zu beachten, dass der Koordinationskreis eine arbeitsfähige Größe und eine ausgewogene Zusammensetzung bekommen und behalten sollte. Wie sich dieses beständig gewährleisten lässt, ist noch nicht abschließend festgelegt und muss weiterhin bedacht und beraten werden.

Gleichermaßen ist es möglich, sich bei einer der bestehenden Initiativen oder einem der Arbeitskreise einzubringen. Darüber hinaus können alle, die mit ED verbunden sind, jederzeit neue Initiativen gründen. Arbeitskreise werden vom Koordinationskreis ins Leben gerufen und für die Weiterführung von ED als notwendig empfunden. Der aktuelle Stand:

Bestehende Initiativen:

  • Gleichberechtigung
  • Kommunitäten
  • Emergente Theologie
  • Regionale “Stammtische”

Bestehende Arbeitskreise:

  • Publikationen
  • Vorbereitung des jährlichen Forums
  • Website / Print-Werbung / Basecamp

Öffentlichkeit

Das Hauptportal für alle Informationen rund um ED ist die Internetplattform emergent-deutschland.de

Um darüber hinaus den gegenseitigen Kontakt und Austausch zu fördern, wird jährlich ein Emergent-Forum veranstaltet. Ziel ist es, Menschen aus möglichst vielen verschiedenen konfessionellen Hintergründen miteinander ins Gespräch zu bringen. Die inhaltliche Gestaltung legt dabei weniger Betonung auf “Vorträgen von Wissenden”, als vielmehr auf die gegenseitigen Inspiration durch gemachte Erfahrungen.

Ergänzend zu den Foren werden Gedanken und Praxisberichte in Buchform unter “Edition Emergent Deutschland” und darüber hinaus veröffentlicht.

Perspektive

Da Emergent-Deutschland weder eine Organisation noch eine Konfession ist, wird es den Koordinationskreis und das Netzwerk nur so lange geben wie Bedarf besteht.

Weil wir bisher allerdings noch davon überzeugt sind, dass es weiterhin wichtig ist, in unserem Land über die Themenkomplexe “Kultur und Evangelium”, “kontextueller Gemeindebau”, “missionaler Lebensstil”, “zeitgemäße Spiritualität”, “modulierende Gestaltungen des Reiches Gottes”, “theologische Engführungen und Neuansätze” u.a.m. breitflächig miteinander im Gespräch zu sein, werden wir uns auch in Zukunft in diesem Bereich engagieren.

Es ist unser Wunsch, dass noch mehr verschiedene Menschen mit noch mehr verschiedenen biographischen Hintergründen von ED erfahren und an dem Dialog teilnehmen. Dafür bedarf es eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit.
Es ist unser Wunsch, dass jeder, der sich aktiv beteiligen möchte, seinen Platz im ED-Netzwerk findet, an dem er vor Ort oder landesweit diesen Dialog fördern kann.

Es ist unser Wunsch, dass wir gemeinsam wachsam sind, an welchen Stellen undurchsichtige Strukturen Misstrauenskeime hervorbringen können und schleichende Hierarchiebildungen die breite Beteiligung untergraben. Das entspricht nicht dem Ursprungsgedanken.

Der Koordinationskreis versteht seine Arbeit als Dienst an der Gestaltwerdung des vielfältigen Reiches Gottes in unseren kulturellen Erfahrungsmustern. Diese Gesinnung soll auch das weitere Engagement leiten.