Con:Fusion 2017 zu „Christentum und Rechtspopulismus“ (Rückblick)

Gemeinsam denken, gemeinsam beten und gemeinsam essen – das ist es, was das Format „Con:Fusion“ ausmacht. Die Con:Fusion 2017 fand vom 9. bis 12. März in Heidelberg statt und vier vollgepackte Tage liegen nun hinter uns.

Das Thema der Veranstaltung war „Rechtspopulismus“ und dieser Blogpost hält einen kurzen Rückblick bereit, der in den nächsten Tagen und Wochen um die vorhandenen Aufnahmen einzelner Vorträge ergänzt werden wird, sodass ihr sie erstmals oder erneut anhören und mit uns ins Thema einsteigen könnt.

Donnerstag

Los ging es am Donnerstag nach gemeinsamem Suppe-Essen mit dem Eröffnungsvortrag von Walter Faerber, der einen dichten (und aufgrund der Folien auch sehr unterhaltsamen) Überblick über soziale und politische Verschiebungen im Rahmen der Globalisierung gab.

Den Vortrag als Podcast mit Links zum Weiterlesen findet ihr bald als #89 unter Podcasts.

Nach einer Kennenlern- und Austauschphase, die als World Café gestaltet war, beendeten wir den Donnerstagabend mit der Abendliturgie. Wie bereits bei der Con:Fusion 2014 wählten wir als liturgischen Rahmen morgens und abends gemeinsame Tagzeitengebete der Iona Community und mittags ein kurzes Mittagsgebet aus einem Irischen Gebetbuch.

Freitag

„Was will die Neue Rechte?“ – mit dieser Frage starteten wir am Freitagmorgen voll durch. Rasmus Nagel gab uns dazu einiges an Input und präsentierte einen informativen und differenzierten Überblick über die verschiedenen rechten Strömungen, ihre Hintergründe und Ziele sowie ihre (potentiellen) Anhänger.

Den Vortrag von Rasmus Nagel findet ihr bald zweigeteilt als #90 und #91 unter Podcasts.

Nach so viel inhaltlicher Auseinandersetzung versammelten wir uns zum Mittagsgebet und genossen danach ein leckeres Mittagessen und die Mittagspause im sonnigen Heidelberg.

Anschließend ging es weiter in drei Gruppen, in denen wir nach theologischen, politischen und praktischen Antworten auf Frage suchten, wie wir als Christen dem Rechtspopulismus begegnen können.

Gruppe 1:
Arne Bachmann und Walter Faerber zu „Identität“, Arnes Vorträge wird es als Podcast #92 und #93 geben.

Gruppe 2:
Hendrik Stoppel zu „Macht“

Gruppe 3:
Daniel Hufeisen zu „Begegnung und Gespräch“

Im Anschluss an die Gruppenphase stellten wir uns gegenseitig unsere Themen und Zwischenergebnisse vor, sodass jeder auch an den Gedankengängen der anderen Gruppen teilhaben konnte.

Nach dem Abendessen ging es künstlerisch mit einem Leseabend weiter, auf dem nicht nur eigene Texte vorgelesen wurden, sondern auch ein selbstgeschriebenes Lied vorgetragen wurde sowie zwei Videos den anderen vorgestellt wurden.

Samstag

Am Samstagvormittag setzten wir die Gruppenarbeit fort.

Nachmittags stellte der Koordinationskreis die Arbeit von Emergent Deutschland e.V. vor und lud die Teilnehmenden dazu ein, sich am ersten Adventswochenende nach Kassel aufzumachen, um sich dort gemeinsam Zeit für die Planung und Organisation weiterer Formate und Initiativen im Rahmen von Emergent Deutschland e.V. zu nehmen.

Vor dem Abendessen präsentierten die drei Gruppen jeweils ihre Ergebnisse.

Daniel Hufeisens Gruppe zeigte dabei unter anderem ein Video, in dem das Nachbarschaftsprojekt „Brot & Butter“ des Berliner Vereins FreiRaum vorgestellt wird.

Nach so viel Denkarbeit hatten wir uns das Abendessen wohl verdient:

Die etwas vorgezogene Abendliturgie sorgte dafür, dass wir schon früher in unsere Abschlussparty mit Cocktails, Tanz und Musik starten konnten.

Sonntag

Den Abschluss der Con:Fusion bot am Sonntag der Brunch-Gottesdienst, zu dem auch die Bewohnerinnen und Bewohner des Ökumenischen Wohnheims, in dem wir zu Gast waren, eingeladen waren. Besonders schön war dabei das gemeinsame Abendmahl mit anschließender Segnung, bei der der Segen quasi von einer Person auf die nächste weitergegeben wurde, indem der Gesegnete direkt danach die Rolle des Segnenden und Fürbittenden übernahm.

Als Koordinationskreis von Emergent Deutschland e.V. wünschen wir uns, dass die Impulse und wertvollen Gedanken, die im Rahmen von Con:Fusion entstanden und ans Tageslicht gekommen sind, ebenso von einem zum anderen weitergegeben werden wie das Gebet und der Segen in unserem Abschlussgottesdienst. Mögen sie Menschen stärken und den Boden bereiten für ein respektvolles und friedliches Miteinander!

***

Weitere Beiträge zur Con:Fusion 2017

Rückblicke auf das Emergent Forum 2016

Das Emergent Forum 2016 ist vorbei. Ein Wochenende, das viele Menschen bewegt und inspiriert hat.
Hier sammeln wir Rückmeldungen, Eindrücke und Gedanken, die im Netz dazu geteilt wurden.

(Falls ihr Browser-Erweiterungen nutzt, die Twitter, Instagram und so blockieren, lohnt es sich ausnahmsweise, diese zu deaktivieren).

Artikel und Blog-Posts:

Daniel Trommer – Spontanes Fazit zum Emergent Forum 2016:

»Das emfo16 war eine Wiederverzauberung meines Glaubens.
Die Auferstehung meiner Sehnsucht nach Kirche.
Einer Kirche in der gezweifelt, geholfen, herausgefordert und bekannt,
in den Arm genommen und viel gelacht werden kann.«

Tobias Faix – Ehrlich, streitbar, berührend, irritierend und immer anbetend – meine Gedanken zum Emergent Forum 2016:

»Die Begeisterung für Gott und seine Gnade in vielerlei Worten und Gesten hat mich neu berührt und nachdenklich gemacht. Dazu war das ganze Wochenende ein Plädoyer für Gemeinde!«

Simon de Vries – Von der Verletzlichkeit:

»Nadia Bolz-Weber erzählte in beeindruckender Weise von ihren Kämpfen im Leben und ihrem Umgang als Pastorin mit diesen Krisen. Und dabei fiel ein Satz, der mir wichtig geworden ist: „If we screw up first, then our church members feel free to screw up also.“«

Simon de Vries – Von der Gnade:

»Man kann nicht von der Verletzlichkeit sprechen, ohne von der Gnade zu sprechen. Oder zumindest ich kann es nicht.«

Mickey Wiese – Und …, nicht Aber:

»Leben heißt:
Ver-rückt Sein im Werden.«

Emergent Deutschland (Marietta Steinhöfel) – Was heißt es, offene Kirche zu sein?:

»Indem sie die Kirchen- und Herzenstüren öffneten, mussten sie gleichzeitig die Erfahrung machen: Sie können nicht Kirche für alle sein.«

Emergent Deutschland (Melanie Eckmann) – Kaffee für alle, aber …:

»Vielleicht merken andere ja auch bald, dass das so viel besser schmeckt; dass Vielfalt so nah ist und einfach nur unter dem Deckmantel hervorgelassen werden muss.«

Astrid Volkening – Emergent Forum – Vorwort und Vorfreude :-):

»JA! That’s me! Kreuz-und-Quer-Denkerin. Theologie-Liebhaberin. Gemeindepraktikerin auf Entzug. Kirche-der-Zukunft-Träumerin. Zuweilen verwirrte und zwischendurch verzweifelte Austausch-Bedürftige. Und neuerdings ja auch noch Bloggerin.«

NEU: Astrid Volkening – Emergent Forum – Nachklänge:

»JA!! Das ist es. Das lockt mich. Ich sehne mich nach so einer Art von Kirche, von Gemeinde, von Gemeinschaft. Einfach. Persönlich. Echt. Gerne klein. Mit dem Fokus auf Beziehungen und nicht auf Veranstaltungen. Um einen Tisch sitzen, diskutieren, beten. Und das als Kirche verstehen dürfen.«

Mathilda – Über Wahrheit und Schönheit.:

»Anstatt mit Aussagen wie „Unseres ist richtig, eures ist falsch.“ zu operieren, will ich vielmehr das Eigene erklären, groß machen, mit Überzeugung und Hingabe vertreten oder, wie Christina sagte, davon schwärmen.« …
»In der Innenperspektive meiner eigenen Religion reicht es mir nicht, einen Gedanken bloß schön zu finden.«

idea – Brudereck: Gottes Gnade wird sogar die Hölle „leer lieben“:
(Eine lesenswerte Diskussion dazu findet sich auf Facebook bei Rolf Krüger)

»Wie Brudereck ferner sagte, ist in der Gemeinde Jesu Platz für alle: „Sie ist ein riesiges Geschenk für eine Gesellschaft, die Angst hat vor Überfremdung.“«

Arne Bachmann – Das Emergent Forum 2016:

»Ich bin sehr froh, dass schon früh im Laufe des Forums dieser Satz von Nadia fiel, denn er stellte etwas klar: wir befinden uns nicht in der Situation, dass da draußen Scharen von Leuten vor verschlossenen Kirchentüren stehen und darauf warten, dass Kirchen in ihrer großen Barmherzigkeit sich für andere öffnen.«

NEU: Arne Bachmann – Emergent Forum – Sound/Bites:

»Und nachdenkenswert fand ich das Forum. Es beschäftigt mich auf einer persönlichen Ebene und einer intellektuellen Ebene. Deshalb meine Resonanzen auf einige der starke Sätze, die mir hängen geblieben sind.«

NEU: Livenet (Hauke Burgarth) – «Kirche für alle, aber …»:

»Und es war ein gelungenes Spiegelbild des gesamten Emergent Forums, dass diese Fragen zwar engagiert und ehrlich besprochen wurden, aber keine Gräben zogen.«

 

Twitter und Facebook:

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Christina Brudereck – Facebook

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Mehr Tweets findet ihr bei Twitter unter dem Hashtag #EmFo16.

Mehr Beiträge findet ihr bei Facebook unter dem Hashtag #EmFo16.

Podcasts, Audio:

Der Workshop von Mosaik Düsseldorf mit dem Titel »Grenzen sprengen« als Podcast:

Der Soundtrack der Liturgie der Geschöpfe:

 

 

Bilder:

Emergent Deutschland – Bilder vom Freitag:

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Emergent Deutschland – Bilder vom Samstag:

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#emfo16 Tag 2, circa 250 TeilnehmerInner

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Schöne Stimmung und interessante Gespräche beim #EmFo16. Love it here!

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Hier ist es schön. Es gibt richtigen Kaffee. #emfo16

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#emfo16 #whatablessing #incredibleperson #thankyoujesus @sarcasticlutheran #grace#love#holyshit

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#emfo16 @sarcasticlutheran #actualself

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#emfo16 #christinabrudereck #UND

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2Flügel – wie immer unglaublich wundervolle Poesie mit Musik. #EmFo16

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Tschüss #emfo16 . Das war ganz wunderschön. emfo17 im refugio? 😊

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Mehr Fotos direkt bei Instagram unter dem Hashtag #EmFo16.

Wir freuen uns auf Hinweise auf weitere Rückblicke!

Kaffee für alle, aber …

Wie das Ei zur Henne, gehört das Kaffeetrinken zur Gemeinde. Gemeindeformen verändern sich – die Art des Kaffeekochens auch. Andreas Romeike, Barista im Sharehouse Refugio in Berlin, ist ein Pionier auf dem Gebiet und Milch dabei seine größte Kontrahentin.

Ein heißer Tipp während dem Emergent Forum war die „Brewbar“ auf der Terrasse des Bürgerzentrums in Niederhöchstadt. Hier wurde jeder Kaffee-Gourmet und auch alle anderen glücklich. Das bewiesen die Berge an benutzten Pappbechern, in denen die Baristas Andreas Romeike und seine Frau Rahel ihren Kaffee servierten. Sie hatten alle Hände voll zu tun: Wasser aufsetzen, Bohnen mahlen, Kaffee aufbrühen – das konnte schon mal zu Wartezeiten führen, die am besten mit einem netten Pläuschchen mit dem Schlangesteh-Nachbarn verbracht wurden.

WKaffeegenuss will gelernt sein. Foto: ©Christoph Bartelser neugierig ist, fragt nach der Herkunft des mobilen „Brewbar“-Tresens aus hellen Spanplatten, an dem die Romeikes geschäftig arbeiten. Der ist nämlich selbst zusammengezimmert und auf Rollen ganz flexibel einsetzbar. Echtes Handwerk also, genauso wie der Kaffee, den die beiden servieren. Von Berlin machten sie sich auf den Weg. Im Gepäck haben sie: V60-Filter, digitale Waagen – für das richtige Verhältnis zwischen Wasser und Kaffee -, eine etwas mitgenommene, rostbraune elektrische Kaffeemühle und Kaffeebohnen. Alles hat gerade so Platz auf dem Tresen – Romeikes arbeiten Schulter an Schulter. Interessierte Fragen nach den Kaffees beantworten sie geduldig, empfehlen eine Kaffeesorte, wenn Namen wie „Kello“und „Pedro villatoro“ Fragezeichen auf den Gesichtern hinterlassen. Hin und wieder unterbricht das Rattern der Mühle den Gesprächsfluss der Kaffeedurstigen am Tresen. Die Bohnen hat Andreas bei Händlern eingekauft, die ihren Kaffee direkt von den Kaffeebauern beziehen – „direct trade“ sozusagen. Die Bauern werden fair für ihre Arbeit bezahlt, oft kennen die Händler sie persönlich. So garantieren sie eine gute Qualität der Ware. Kaffeebohnen können bis zu tausend verschiedene Aromen entfalten – der Kaffee schmeckt beispielsweise nach einer fruchtigen Süße, Schokolade, Zitrusfrüchten oder Toffee.

Wenn seine Kunden Milch in den Pappbecher mit dem schwarzen Genussgetränk gießen, macht Andreas seine Augen kurz zu. Die Aromen im Kaffee gehen durch die Milch verloren und sind für die Geschmacksnerven nicht mehr klar wahrnehmbar. Als würde jemand mit einem Tuch über ein noch feuchtes Ölgemälde wischen. Die klaren Farben des Kunstwerks vermischen sich zu einem braunen Brei. Genauso wie die Arbeit des Künstlers damit umsonst war, ist die Mühe, beim Filterprozess die besten Aromen aus der Bohne zu bekommen, mit Milch hinweg geschwemmt. Andreas trinkt seinen Kaffee ohne Milch. Vielleicht merken andere ja auch bald, dass das so viel besser schmeckt; dass Vielfalt so nah ist und einfach nur unter dem Deckmantel hervorgelassen werden muss. Weniger ist manchmal mehr. Und bis dahin kennt seine Nachsicht keine Grenzen.

Melanie Eckmann

Was heißt es, offene Kirche zu sein?

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Ängste überwinden

Siegfried Kaufer aus der Ev. Andreasgemeinde Niederhöchstadt findet: soziale Angst verhindert, dass Kirche offen für alle ist. Die Botschaft Jesus Christi – jeder ist geliebt und angenommen! – schenkt ihm die nötige Einsicht, die ihn seine persönliche Angst überwinden lässt. „Früher hatte ich Vorbehalte Bettlern gegenüber. Ich fragte mich: Warum machen sie nichts aus ihrem Leben? Heute sehe ich das anders und weiß: Sie haben Schlimmes erlebt und machen das nicht aus Jux und Tollerei.“


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Nur Mut!

Offene Kirche braucht vor allem Mut. So sieht es Olivier Perrot, Pastor einer unabhängigen Freikirche. Mut, um auf den anderen zuzugehen und sich gleichzeitig treu zu bleiben. „Es geht nicht nur darum, die andere Person anzunehmen, sondern auch mutig genug zu sein, das zu sein, was man selbst ist.“ Wenn Olivier mutig ist, folgt er seiner inneren Stimme, die ihm sagt: Geh auf die andere Person zu! Lerne sie kennen, verbringe Zeit mit ihr! Schwierig findet er es, wenn er sich seiner eigenen Begrenzung bewusst wird. Wenn Leute lange reden. Er hat wenig Zeit.


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Sei barmherzig zu Dir!

Um barmherzig mit anderen sein zu können, muss man sich zuerst in Barmherzigkeit sich selbst gegenüber üben. Dieser Auffassung ist Sandra Matz, Pfarrerin in Alsbach (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau). Denn Begegnungen mit Menschen, die einem irgendwie unbequem werden, hätten meistens mit einem selbst zu tun: „Wenn ein Finger auf den anderen zeigt, zeigen drei auf dich selbst“, sagt sie. Es erfordere den Blick in sich selbst hinein. Und da liege die Herausforderung: sich in Barmherzigkeit annehmen – mit den eigenen Schwächen, den eigenen Brüchen und unerfüllten Sehnsüchten.


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Risikobereitschaft

Saphira, Eun-San und Adaumir sind Teil(e) von „Mosaik“, einer bunten Gemeinde aus Düsseldorf. Gemeinsam haben sie es gewagt, „Kirche für alle“ zu sein. Alle. Also auch homosexuelle und anders sexuell-orientierte Christen. Ohne Wenn und Aber. Indem sie die Kirchen- und Herzenstüren öffneten, mussten sie gleichzeitig die Erfahrung machen: Sie können nicht Kirche für alle sein. Ein Großteil der Gemeindemitglieder und Freunde konnte den Schritt nicht mitgehen und stieg aus. Ein Bruch. „Es tat weh, und das tut es noch“, berichten sie. Ob sie es bereuen? Ob eine Kirche für alle nicht Utopie sei? „Ja, es ist eine Utopie“, sagt Adaumir, „es wird eine perfekte Gemeinde nie geben. Aber das Ziel ist das richtige.“ Ein Traum, für den es sich zu kämpfen lohne – so wie einst Martin Luther King – lautet die Antwort des Gemeindegründers.

Die Fragen stellte Marietta Steinhöfel.

#EmFo16 – Bilder vom Samstag

Frisches Bildmaterial vom Samstag! :-)

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#emfo16 – Bilder vom Freitag

Auf der Forums-Seite gibt es nun ersten Bilder vom Freitag:

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10 Fragen an Nadia Bolz-Weber

Nadia Bolz-Weber ist Pastorin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika und Gründerin der Gemeinde „House for all Sinners and Saints“ in Denver, Colorado. Sie ist Autorin verschiedener Bestseller (z.B. „Ich finde Gott in den Dingen, die mich wütend machen“: Pastorin der Ausgestoßenen) und wenn sie nicht gerade auf dem Emergent Forum 2016 Hauptrednerin ist, findet man sie zuhause bei ihrer Familie, beim Gewichtheben oder im Freien mit ihrer Deutschen Dogge Zacchaeus. Zehn Fragen an Nadia – los geht’s:

 

1. Bitte nenne zwei Bücher, die dich besonders inspiriert haben und die noch viel zu unbekannt sind.

Wo Gott den Menschen trifft. Luthers Botschaft vom nahen Gott von Gerhard Forde und die Kurzgeschichten von Flannery O’Connor.

2. Was assoziierst Du mit den Begriffen Emergent/ Emerging Church?

Den Begriff verwendet in den USA niemand mehr. Eine Zeit lang hat er sich aber vor allem auf postmoderne Gemeinden bezogen.

3. Was sind aus Deiner Sicht die größten Herausforderungen für Christsein in der heutigen Zeit?

Menschliche Sünde. Dieselbe Herausforderung, die Christen schon immer hatten. Wir wollen unsere eigenen Götter sein. Wir wollen unsere Feinde nicht lieben. Wir wollen nicht vergeben oder uns vergeben lassen. Wir wollen im Recht sein. Manches ändert sich nie.

4. Die gute Nachricht ist…

die schlechteste gute Nachricht, die ich je gehört habe. Denn sie bedeutet Barmherzigkeit, Gnade und Vergebung für mich UND für meine Feinde. Und doch kann nur sie mich retten.

5. Ein Beispiel dafür, wie ich Spiritualität im Alltag gestalte ist…

In meinem Leben kommt Spiritualität im Scheitern zum Vorschein und nicht, wenn ich nach ihr strebe. Das heißt, ich werde verwandelt, wenn meine Pläne und Maßnahmen allesamt fehl gehen – wenn mir vergeben wird, wenn mir eine Art von Liebe zuteil wird, derer ich mich nie als würdig genug erweisen könnte. Spiritualität ergibt sich für mich nie daraus, dass ich mir das Ziel setze, spiritueller zu werden.

6. Eine der größten Gefahren von Menschen ist es, ihre Biografie zu totalisieren. Was hat Dich so geprägt, dass Du aufpassen musst, es nicht über zu betonen?

7. Ein besonders skurriles Erlebnis hatte ich:

So eine bizarre Sex-Sekte in Kalifornien hat mich gebeten, auf ihrer Freizeit zu sprechen. Ich habe dankend abgelehnt.Moment mal, ihr seid keine bizarre deutsche Sex-Sekte oder?

8. In zwanzig Jahren wird…

es Raketenrucksäcke für alle geben.

9. (Diese Website ist) mein Geheimtipp im Netz:

Gib auf der Homepage Nummer und Anschrift an. (Frage an alle: Wo liegt der Übersetzungsfehler?)

10. Dieser längst vergessene Blogeintrag lohnt sich noch immer zu lesen:

I love Jesus, But I Swear a Little: An Open Invitation to Unfriend Me on Facebook, Stop Following Me on Twitter and Discontinue Reading My Blog if You Need To.

10 Fragen an Christina Brudereck

Christina Brudereck, Jahrgang 1969, lebt als Schriftstellerin in Essen. Sie schreibt, spricht, reimt und reist und verbindet dabei Poesie, Spiritualität und Menschenrechtsfragen. Gemeinsam mit dem Pianisten Ben Seipel bildet sie das Duo 2Flügel. Sie liebt Indien, Südafrika und das Ruhrgebiet, wo sie in einer Kommunität lebt. Im September wird sie beim Emergent Forum 2016 dabei sein. Zehn Fragen, zehn Antworten – los geht’s!

 

1. Bitte nenne zwei Bücher, die dich besonders inspiriert haben und die noch viel zu unbekannt sind.

„Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus.“ Von Luna Al-Mousli. Das Buch ist ein Kleinod! Das Leseerlebnis beginnt beim Berühren des Papiers. Die grafische Gestaltung ist eine Kunst. Die junge Autorin schreibt herzergreifend, sympathisch. Ein aktuelles Buch zum Mitleiden, Fühlen, Hineindenken, Verrücktwerden.

Und, gerade gelesen: „Kaddish“ von Leon Wieseltier. Ein Sohn betet für seinen verstorbenen Vater. Er betet das Kaddish, das traditionelle Trauergebet seiner jüdischen Erzählgemeinschaft.  Ein Buch über die Wiederentdeckung der eigenen Wurzeln und Schätze. Über Unterbrechungen und Abschiede, den Umgang mit Lücken. Stilistisch nicht einzuordnen; ein dicker Essay, Biografie, voller Aphorismen, ein großes Gedicht.

 

2. Was assoziierst Du mit den Begriffen Emergent/ Emerging Church?

Ich denke bei „emergent“ an meinen Lieblingsbaum. Eine alte Süßkirsche. An Wurzeln, rosa Blüten, Wetter, Rhythmus, Licht, Reife, roten, süßen Mund. Mit „Emerging Church“ bete ich: Die Geistkraft möge ausblühen, was wachsen will.

 

3. Was sind aus Deiner Sicht die größten Herausforderungen für Christsein in der heutigen Zeit?

Korruption. Bestechlichkeit. Angst. Dass wir uns kaufen lassen. Einlullen lassen vom Markt. Täuschen lassen von Medien. Dass wir uns einschüchtern lassen von Menschen, die Einfluss haben. Dass wir nicht sagen, was wir denken. Und nicht tun, was wir sagen.

 

4. Die gute Nachricht ist…

Wo die Geisteskraft weht, ist Freiheit. Immer wieder zeigen uns einzelne Personen und Bewegungen, dass es anders geht. Dass die Liebe stärker ist. Dass die Freiheit mehr fasziniert. Dass Gnade gewinnt.

 

5. Ein Beispiel dafür, wie ich Spiritualität im Alltag gestalte ist…

Ich meditiere jeden Tag. Lebe in einer Kommunität. Schreibe Tagebuch. Ich stehe morgens am Fenster, verneige mich und sage Richtung Himmel: Meine Kraft kommt von Dir. Meine Freude kommt von Dir. Meine Aufgabe kommt von Dir.

 

6. Eine der größten Gefahren von Menschen ist es, ihre Biografie zu totalisieren. Was hat Dich so geprägt, dass Du aufpassen musst, es nicht über zu betonen?

Nach meinem theologischen Examen und Assement-Centre wurde meine kirchliche Laufbahn gestoppt. Ich konnte kein Vikariat machen, wurde keine Pfarrerin, musste mir einen eigenen Weg suchen. Der Satz „Die Kirche braucht mich nicht“ meldet sich immer wieder mal zu Wort. Ich will ihn gar nicht glauben, aber er hat meine Lebensberufung so tief in Frage gestellt, dass er sich immer noch mal meldet. Dann werde ich stumm, zynisch oder bockig, im besten Fall zornig. Das ist aber alles nicht hilfreich…

 

7. Ein besonders skurriles Erlebnis hatte ich:

Als ich in Südafrika Heimweh hatte und ausgerechnet in einem jüdischen Café ein Zuhause fand. Als ich neulich beklaut worden war. Handy, Schlüsselbund und Portemonnaie weg. Und Henning Baum, der letzte Bulle, saß vor der Eisdiele. Da hätte ich am Liebsten gerufen: „Mick, aller Macho, hilf mir! Halte den Dieb!“

Als ich in einer Gruppe mit Jüdinnen, Muslimen, Orthodoxen und Katholikinnen immer „Unsere Jüngste“ genannt wurde; ich, die Protestantin.

 

8. In zwanzig Jahren wird…unsere Generation, wissen Mark Twain meinte, als er sagte:

In zwanzig Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, verlasse den sicheren Hafen, hol dir die Passatwinde in deine Segel. Erforsche. Träume. Entdecke.

 

9. Diese Website ist mein Geheimtipp im Netz:

transcend.org/galtung – Der Friedensforscher Johan Geltung ist eine Koryphäe. Was friedliche Lösungen und Wandel angeht, hat er einfach mehr Erfahrung und vor allem mehr Phantasie.

 

10. Dieser längst vergessene Blogeintrag lohnt sich noch immer zu lesen:

Ich schätze den Blog von Alice Walker (Alicewalkersgarden.com) und denke an den Beitrag vom 27. November 2015 „Talking About Paris To A Five Year Old“. Alice Walker kommentiert einen Text von Frank Barat mit den Worten: „Ich meine, so ein Gespräch sollten alle Erwachsenen mit ihren Kindern in der ganzen Welt führen.“

Zehn Fragen an Gofi Müller

Gofi Müller, 70er Jahrgang, ist Autor, Musiker und Maler und lebt mit seiner Familie in Marburg. In den vergangenen Jahren veröffentlichte er mehrere Bücher und Musikalben. Zusammen mit Jacob „Jay“ Friedrichs macht er in jüngster Zeit vor allem mit dem Projekt Hossa Talk von sich hören. Gut, dass die beiden im September beim Emergent Forum dabei sind. Wir haben Gofi unsere Klassiker-Fragen gestellt:

1. Bitte nenne zwei Bücher, die dich besonders inspiriert haben und die noch viel zu unbekannt sind.

Besonderen Eindruck hat bei mir ‚Betting on the Muse‘ von Charles Bukowski hinterlassen, diese Betrachtung des Lebens von schräg unten mit unverhohlener Gehässigkeit finde ich persönlich total aufschlussreich und in all ihrer Hässlichkeit wunderschön. N.T. Wright ist für mich ein besonders wichtiger Theologe. ‚Surprised by Hope‘ war ein großer Augenöffner.

2. Was assoziierst Du mit den Begriffen Emergent/ Emerging Church?

Ich habe hier zum ersten Mal erlebt und gelernt, dass man wirklich über alles im Bereich des Glaubens reden und nachdenken darf. Das war ein wahnsinnig befreiendes Erlebnis. Ich verstehe Hossa Talk als eine direkte Folge daraus.

3. Was sind aus Deiner Sicht die größten Herausforderungen für Christsein in der heutigen Zeit?

Ich denke, die größte Herausforderung besteht darin, sich nicht in altbekannten Denk- und Glaubensmustern zu verschanzen, sondern sich immer wieder neu mit den Herausforderungen unserer Zeit zu konfrontieren und uns zu hinterfragen, was es hier und jetzt bedeutet, Jesus nachzuahmen.

4. Die gute Nachricht ist…

die Botschaft, dass Gott uns von selbstauferlegten Abhängigkeiten befreit hat.

5. Ein Beispiel dafür, wie ich Spiritualität im Alltag gestalte ist…

dass ich meine Familie tatkräftig unterstütze.

6. Eine der größten Gefahren von Menschen ist es, ihre Biografie zu totalisieren. Was hat Dich so geprägt, dass Du aufpassen musst, es nicht über zu betonen?

Möglicherweise ist das die Erfahrung, wie wohltuend, heilsam und für das Glaubensleben förderlich es ist, zu keiner lokalen christlichen Gemeinde zu gehören. Früher habe ich gepredigt, dass das in jedem Fall glaubensschädlich ist. Heute denke ich das Gegenteil. Aber bitte, wir wollen nicht verallgemeinern. Auch ich bin noch auf dem Weg …

7. Ein besonders skurriles Erlebnis hatte ich, als…

ich auf einer abschüssigen Straße kurz mit dem Wagen anhielt, um zu pinkeln, und dann während des Pinkelns mein Auto an mir vorbeirollte, weil ich vergessen hatte, die Handbremse anzuziehen.

8. In zwanzig Jahren wird…

einer meiner Romane in einem Antiquariat verstauben.

9. Diese Website ist mein Geheimtipp im Netz:

www.biologos.org: Christen versuchen, ihren Glauben mit neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung der Welt zu harmonisieren.

10. Dieser längst vergessene Blogeintrag lohnt sich noch immer zu lesen:

Meint ihr einen von mir? Bestimmt, oder? Na gut, wenn es sein muss: Meine Kritik an der Verfilmung des ‚Hobbit‘.
https://marburgersyndikat.wordpress.com/2013/01/14/der-hobbit-im-kino-mettwurst-statt-kaviar/

 

Anmerkungen: Tickets für das Emergent Forum 2016 „Kirche für alle, aber…“ u.a. mit Hossa Talk gibt es hier.

Bolz-Webers Kirche für alle: Tradition und Innovation

„Man muss tief verwurzelt sein in der Tradition, wenn man innovativ sein will.“
(Nadia Bolz-Weber)

Wikipedia liefert für das Stichwort „Tradition“ folgende Definition: „Tradition (von lat. tradere‚ hinüber-geben‘ oder traditio ‚ Übergabe, Auslieferung, Überlieferung‘) bezeichnet die Weitergabe von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen […] oder das Weitergegebene selbst […]. Tradition geschieht innerhalb einer Gruppe oder zwischen Generationen und kann mündlich oder schriftlich […] erfolgen.“

Innovation (von lat. innovare ‚erneuern‘) hingegen meint aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive einen absichtlichen und gezielten Veränderungsprozess, der auf etwas Neues, bisher nicht Dagewesenes abzielt (Stichwort: Erfindung). Die künstlerische bzw. kreative Innovation sucht nach neuen Ausdrucksformen und Gestaltungsmöglichkeiten von Emotionen, Erlebnissen und Gedanken.

Dazu einige zusammenhangslose Fragen: Was meint „verwurzelt sein“ in der Tradition? Das tatsächliche Praktizieren oder die Kenntnis der Tradition? Welche Tradition ist überhaupt gemeint, denn es gibt ja ganz unterschiedliche Strömungen? Benötigt das „Neue“ und „bisher Unbekannte“ die Tradition, oder können neue Ausdrucksformen auch losgelöst von der Tradition entwickelt werden? Ist Tradition nicht auch oft ein Hindernis, weil sie den kreativen Prozess einschränkt bzw. in eine bestimmte Richtung lenkt (ablehnend oder befürwortend)? Anders gesagt: entsteht Innovation, weil die Tradition als unzureichend empfunden wird oder in der direkten Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Lebenswelt, also unabhängig von der Tradition? Oder ist es, wie so oft, etwas von beidem?

Fragen über Fragen…

 

Und wo wir doch schon dabei sind:

Tickets für das Emergent Forum 2016 u.a. mit Nadia Bolz-Weber gibt’s hier noch bis zum 15.5. zum Frühbucherrabatt.