Identität – Teil 1

In #92 zu hören: Arne Bachmann

Mit dem Ruf “Wir sind das Volk” gehen PEGIDA und Co. auf die Straße und weisen so auf ein altes Problem hin: Wer sind WIR? Wer hat das Recht, WIR zu sagen und wer wird in diesem WIR ausgeschlossen? Damit wird auf die Frage nach Zugehörigkeit und nach Identitäten hingewiesen. Doch vor welchem Hintergrund erscheint das Problem der Identität? Wie lässt es sich einordnen? Und wo stehen wir zur Zeit in dieser Frage?

Arne Bachmann versucht, den kulturgeschichtlichen Hintergrund zu der Identitätsfrage zu erläutern, und fragt danach, wie wir heute schwanken zwischen einer Selfie Kultur, in der Identität zu einem ästhetischen Projekt, zu einer Kollage aus Bildern und Momenten wird und so „unerträglich leicht” zu werden droht und einer Sehnsucht nach Verwurzelung, Zugehörigkeit und Heimat, in der Identität in Fremdenfeindlichkeit zu kippen droht.


Ein Kommentar

  1. […] Für die Teenager von heute Alltag, nicht besonders anstrengend, sondern lässig und nebenbei bedienen sie sich bei den kulturellen Möglichkeiten und konstruieren dabei ihre eigene Identität. Für viele anderen sind diese Entwicklungen kaum nachvollziehbar, anstrengend, man fühlt sich abgehängt. Zu schnell scheint die fluide Moderne vieles, was bisher sicher und klar war, in Frage zu stellen: Arbeitszeiten, Familienbilder, Konfessionen, Ländergrenzen, Geschlechterrollen etc. Wer bin ich? Bin ich nur das, was ich selber gewählt habe? Ich ernähre mich vegan und bin deshalb Veganer! Was sagt das über mich aus? Der Theologe Dalferth bringt das ganze Identitätsdilemma auf den Punkt, wenn er schreibt: „Doch der Preis des Identifikationsdrucks ist hoch. Wenn es um Authentizität und eigene Identität geht, wird selbst [B]eiläufiges zum Wesentlichen. Nichts kann zur Verhandlung gestellt werden, alles muss verteidigt werden. Dies gilt gleichermaßen für die Frage nach der Identität als auch für viele ökonomischen Fragen: Bilder in der Kirche, Kreuze auf Bergspitzen oder Gerichtssälen. Feiertage oder kultische Gewänder, lateinische Messen, Beschneidungsrituale und Ganzkörperschleier. Immer geht es um alles und stets steht man selbst auf dem Spiel. Zwischen Sache und Person wird nicht mehr unterschieden, und zwischen Wichtigen und weniger Wichtigen auch nicht mehr.“ (Dalferth 2015:7) Wenn wir über Populismus reden, dann geht es in der Tiefe der Diskussion um die Frage der Identität, der Zugehörigkeit und der Anerkennung. Das sind ganz existenzielle Fragen an denen wir uns festhalten und aufreiben und die uns so empfänglich machen für Meinungen und Menschen, die uns in unseren Fragen scheinbar ernst nehmen, ja um uns werben. Und es ist das Einfallstor des Populismus, der in einer immer komplexeren Welt mit seiner Reduktion auf die Einfachheit der Antworten, die einem ein längst vermisstes Heimatgefühl und eine Zugehörigkeit schaffen. Diese Komplexitätsreduktion und der Rückzug in die eigene begrenzte Welt funktionieren in der digitalen Welt schon optimal. (Den Hinweis zu Identität und Populismus verdanke ich Arne Bachmann.) […]

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