Studientag Emergente Theologie
8./9. Mai 2015

Das Gespenst des Fundamentalismus

In den letzten Jahrzehnten hat der ursprünglich theologische Begriff
„Fundamentalismus“ eine steile Karriere gemacht – durchaus auch als
Kampfbegriff. Er steht für ein ganzes Bündel an Haltungen und
weltanschaulichen Bewegungen – religiöse und areligiöse.

Auf welche Wirklichkeit verweist er, wo kommt er an Grenzen, wo erweist er sich als hilfreich und wo verstellt er eher den Blick? Wie können Glaube und gesellschaftliches Engagement so entwickelt werden, dass sie frei von fundamentalistischen Tendenzen sind?

Darüber wollen wir am 8. und 9. Mai in Fulda miteinander reden –
neugierig, kontrovers, ergebnisoffen.

Die Veranstaltung lebt wie immer von dem, was alle Beteiligten einbringen. Wer sich also vorstellen kann, einen kurzen oder langen Beitrag zum Thema mitzubringen, vermerkt das am einfachsten auf dem Anmeldeformular. Wir setzen uns dann mit dir in Verbindung.

Zum Zeitrahmen: Wir treffen uns am Freitag, den 8. Mai um 17:00 Uhr in der Jugendherberge in Fulda und schließen am Samstag nachmittag.

Kosten: 50 € für Unterkunft und Verpflegung (Ermäßigung auf Anfrage)

Verantwortlich: Peter Aschoff, Arne Bachmann, Walter Faerber

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2 Kommentare

  1. […] dem Studientag emergente Theologie (8./9. Mai in Fulda) werden wir uns übrigens weiter und intensiver mit der Thematik […]

  2. Jeder Mensch ist ein Fundamentalist!

    Man kann miteinander diskutieren, die gleichen Begriffe gebrauchen und trotzdem völlig aneinander vorbeireden. Ein Begriff, der heute gebraucht wird, ist das negativ angehauchte Wort „Fundamentalist“. Dieses Wort wird häufig benutzt, um einen anderen Menschen als engstirnig und eigenbrötlerisch, ja für die Gesellschaft gefährlich, zu kennzeichnen und ihn damit herabzuwürdigen. Das erste, was einem bei diesem Wort heute sofort in den Sinn kommt, sind die islamischen Fundamentalisten. Islamische Fundamentalisten sind laut Medienpropaganda gefährliche, gewaltbereite Terroristen, die auf Grundlage des Islam morden und andere missbrauchen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Ihr Fundament, auf das sie sich gründen, sind die Sure des Koran, die zum Kampf gegen die Ungläubigen aufrufen.
    Im christlichen Bereich denkt man dagegen sofort an ein religiöses Pharisäertum. Man denkt an Leute, die wider besseres Wissen, hartnäckig an ihrer Meinung festhalten, obwohl sie im Unrecht sind. Man denkt an Leute, die einem die Bibelverse um die Ohren hauen und von oben herab hart richten und über andere knallhart urteilen, ohne Mitgefühl und Liebe. Sie sind dabei unbelehrbar und nicht fähig, eine andere Sichtweise zu akzeptieren. Gleichzeitig meinen sie immer im Recht zu sein – ja, sie halten sich für perfekt und etwas Besseres.
    So wird das Wort „Fundamentalist“ heute häufig gedeutet. Doch ist das wirklich der richtige Inhalt für eine Wort, das gerne als Keule eingesetzt wird?

    Wer schon einmal ein Haus gebaut hat, der weiß, wie wichtig es ist, dass man richtig anfängt. Ein Haus, wenn es stabil sein soll und den Naturgewalten trotzen soll, muss auf einem stabilen Fundament aufgebaut werden. Meist wird eine Grube ausgehoben, der Boden, auf dem der Keller steht, wird zuerst mit Kies und anderen Komponenten stabil gemacht werden. Danach wird betoniert. Auf diesem Fundament muss die ganze gewichtige Belastung des Hauses ruhen. Das Fundament muss die Last des Hauses aushalten und zudem noch verhindern, das Grundwasser und Schlamm in den Keller laufen. Ein stabiles Fundament schützt also. Es schützt vor Schaden und Gefahren.
    Wir sehen jedoch auch, dass ein schlechtes Fundament eine ganze Existenz zerstören kann. Gerade in Entwicklungsländern, wo nicht das nötige Geld für den Hausbau vorhanden ist, weil die Menschen arm sind, sieht man, wie einfach gebaute Hütten, Zelte und einfache Bungalows nicht in der Lage sind, gegen die Naturgewalten zu schützen. Wenn in diesen Ländern ein Sturm, Erdbeben oder Tsunami auftritt, ist meist die ganze Existenz der Besitzer zerstört, weil ihr Haus nicht gegen die Naturgewalten ankam. Das ist das Beispiel eines schlechten Fundaments.

    Jeder Mensch, der über sein Leben nachdenkt, hat eine gewisse Strategie, wie er sein Leben führen will und auf welches Fundament er sein Leben stellen will. Manche denken, wenn sie finanziell abgesichert sind, kann ihnen kein Unglück die Lebensgrundlage rauben. Manche denken, wenn sie möglichst viel Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen, sind sie vor den Stürme des Lebens geschützt, weil immer jemand da ist, der ihnen hilft. Manche bauen auf das Fundament der Philosophie und einer Ideologie, weil sie meinen, wenn sie die richtige Strategie anwenden, dann können sie alle Probleme des Lebens meistern. Zuletzt, wenn man erkannt hat, das alle diese Strategien nicht helfen, sucht man Schutz bei einer höheren Macht. Seien es Götter, Götzen oder einfach nur Gott.
    Die Bibel beschreibt, dass Reichtum nicht rettet (Spr 11,4), Menschen trügerisch sind (Jer 17,5) und dass die Götter und Götzenbilder der Heiden nicht helfen können (Jes 44,6-20).

    Welches Fundament ist dann tragfähig, um gegen Unglücke und Katastrophen zu schützen, die in jedem Leben eintreten werden?

    In Mt 7,24-27 beschreibt Jesus Christus, was ein stabiles Fundament ausmacht:

    24 Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. 25 Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde stürmten und an dieses Haus stießen, fiel es nicht; denn es war auf den Felsen gegründet. 26 Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleich sein, der sein Haus auf den Sand baute. 27 Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde stürmten und an dieses Haus stießen, da stürzte es ein, und sein Einsturz war gewaltig.

    Diese Sätze wurden am Ende der Bergpredigt ausgesprochen. Jesus Christus hatte vorher eindeutig erklärt, wie man leben soll, in Taten und Gedanken. Er sagte, dass das Hören und Tun seiner Worte ein festes Fundament bildet, dass das Auftreten aller möglichen Katastrophen zwar nicht verhindert, da immer Katastrophen kommen werden; aber das Hören und Tun seiner Worte verhindert, dass durch Unglücke die eigene Existenz und die Existenz anderer vernichtet wird. Das Fundament bildet also Christus und sein Wort.

    Dieses Fundament ist auf der Liebe zu Gott und auf der Liebe zum Nächsten aufgebaut (Mt 22,36-40). Wer ein echter Christ ist, wird seinem Nächsten nichts Böses antun, und die Gottesfurcht wird verhindern, dass er falsche Wege geht. Wer will nicht mit einem solchen Fundamentalisten zusammenleben?

    Nur weil heute das Wort „Fundamentalist“ eine falsche Deutung bekommen hat, sollten wir weiterhin danach trachten, echte Fundamentalisten zu sein, die ihr Lebenshaus auf einem soliden, stabilen Grund aufbauen. Mögen wir auch deswegen als Fundamentalisten denunziert und angeklagt werden. Die Zeit wird zeigen, wer weise und klug war, so dass er am Schluss das ewige Leben ererbt. Wer kein gutes Fundament hatte, wird dagegen seinen ewigen Schaden haben. Diese Verantwortung, unseres eigenes Leben richtig zu führen, nimmt uns Gott nicht ab. Jeder Mensch ist ein Fundamentalist. Es gibt gute und böse Fundamentalisten! Jeder hat ein Fundament, ob er will oder nicht. Ein gutes oder ein schlechtes Fundament.

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