Gottes Reich als ein Inmitten und Dazwischen

In #47 zu hören: Jens Stangenberg

Jens Stangenberg schließt mit seinem Vortrag zum Thema „Gottes Reich als ein Inmitten und Dazwischen“ das dritte EmergentCamp der Initiative EmergentNord ab.  Der Titel klingt schlicht, der Inhalt ist es beileibe nicht. Sehr spannend, was Jens da rund um Lukas 17, 20-21 so zusammenbringt: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten kann. Man wird auch nicht sagen: ‚Siehe, hier ist es‘. Oder ‚Da ist es‘. Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Was heißt das? Und was meint Jesus, wenn er sagt, dass das Reich Gottes nahe herbeigekommen ist? Sehr spannende Gedanken werden da gedacht, und es lohnt sich, sie mit- und weiterzudenken.

3 Kommentare

  1. Fetter Applaus, Jens!
    Einen gefühlten Sachverhalt unserem menschlich-mathematischen Denken auf diese Weise zugänglich zu machen, das ist eine Gabe Gottes.

  2. Fasziniert von Ihrem Buch „Tanz auf der Fontäne“ suchte ich ein Podcast von Ihnen und habe gerade Ihre Ausführungen zum Reich Gottes (RG) gehört. Bereits im Buch erweisen Sie sich ja als brillanter Denker, der gut Querverbindungen herstellen und passende Metaphern finden kann. Sie sehen meine ehrliche Begeisterung.
    Was Ihre Interpretation des RG angeht, erlaube ich mir, grundsätzliche hermeneutische Fragen zu stellen. Der genannte Text muss erst auf dem hebräischem Hintergrund verstanden werden, auf dem er entstand. Wenn das geschehen ist, können gerne kulturbedingte dynamisch-äquivalente Gleichnisse zur Erläuterung herangezogen werden. Man kann einen antiken Text natürlich auch von physikalischer oder weltanschaulicher Sicht (z.B. Buddhismus) her „interpretieren“, was aber seiner ursprünglichen Intention nicht entspricht, selbst wenn man – wie in Ihrem Falle – zu richtigen Ergebnissen kommt.
    In aller Kürze folgende exegetische Hinweise:
    „Reich“ ist für den Hebräer tatsächlich nicht geographisch – wie Sie richtig festhalten. Das hebräische „Malchuth“ ist aktiv zu begreifen: Königtum, Herrschaft, Regentschaft. Wenn der König anwesend ist und seine Macht demonstriert, ist man mitten drin. Wenn Dämonen ausfahren, ist das Reich sichtbar da. Völlig klar.
    Dass das RG „nahe gekommen“ ist, ist ein Problem indogermanischer Sprachen. Für den Hebräer war was RG „da“ (qarvah), also in abgeschlossenem Sinn „nahe gekommen“. Auch völlig klar: Der König war selbst anwesend und erwies seine Macht.
    Dass das RG „nicht von dieser Welt“ ist, ist ebenso ein sprachliches Problem. Das RG hat seinen Ursprung nicht in weltlicher Autorität, es ist in Gott verankert. Pilatus dürfte erschrocken sein, denn es war nicht (nur) jenseitig, sondern im Gerichtssaal gegenwärtig. Auf Befehl wären eine Legion Engel zu Hilfe geeilt.
    Ich freue ich mich über Ihre zeitgemäßen Metaphern, mit denen Sie ein intellektuelles Publikum sicher gut erreichen können. Die Interpretationsgrundlage würde ich allerdings anders verankern.

  3. Hallo Herr Franz,
    vielen Dank für die freundliche Reaktion.
    Ich stimme Ihnen völlig zu, dass der Text zunächst auf dem aramäisch-hebräischen Hintergrund zu lesen ist. Ihre Anmerkungen benennen die saubere exegetische Grundlage, die bei jeder angemessenen Bibelauslegung Vorrang haben muss. Danke für die wichtigen Hinweise.
    Meine Ausführungen sind eher als ein spielerisches „Gegen-den-Strich-Lesen“ zu verstehen. Manches Mal kommt man dadurch ja zu verblüffenden Einsichten. So verstehe ich auch die Suche nach neuen Sprachbildern oder anderweitigen Metaphern.
    In den nächsten Tagen wird auf dieser Website ein Podcast von meinem Workshop in Erlangen veröffentlicht. Dabei geht es genau darum, wie sich griechische oder hebräische „Weltbilder“ in unsere Sprache abbilden lassen, oder uns irreführen.

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