Orientierung – Desorientierung – Reorientierung als Muster der Gottesbegegnung?

In #46 zu hören: Tobias Ennulat

Nach dem ersten Vortrag vom EmergentCamp der Initiative EmergentNord zum Thema „Gott als einladende Gemeinschaft“ folgt hier der zweite. Tobias Ennulat spricht über das immer und überall wiederkehrende Muster von „Orientierung – Desorientierung – Reorientierung“ nach Walter Brueggemann. Dieses Muster findet sich in der gesamten Bibel, aber auch in gesellschaftlichen Entwicklungen, in der Geschichte insgesamt und auch in einzelnen Lebensbiographien wieder. Bei  Richard Rohr taucht eine ähnliche Idee unter dem Dreierschritt von „Ordnung – Kritik – Integration“ auf. Er sieht dieses Muster als normales Muster unserer spirituellen Reise.  Hörenswerte Gedanken!


PS: Hier gibt es nicht nur die Präsentation zu dem Vortrag, sondern auch das komplette Manuskript.


Ein Kommentar

  1. Interessant! Ich stimme zu, jede der Phasen muss ernst genommen werden. Im Prinzip findet sich solch ein Grundmuster bereits in viele Gottesdiensten wieder: Elemente der Tradition/Orientierung (Liturgie, Glaubensbekenntnis, Vater Unser…), der Desorientierung (Kerze anzünden für Verstorbene, Fürbitte…), Neuorientierung (Fürbitte…). Am ehesten wird wohl in der Predigt auf alles 3 eingegangen. Zuspruch, Schicksalsschläge, Appell sind häufig vorkommende Motive.

    Vielleicht sollte man sich erneut Gedanken über die Gewichtung machen?
    Mir kommt es so vor, als ob im (landeskirchlichen) Gottesdienst besonders die Tradition betont wird, zumindest was den Standart Ablauf neben der Predigt angeht. Dass auf Desorientierung eingegangen wird findet man dort eher selten, sie findet wohl eher in der Seelsorge (=außerhalb des Gottesdienstes) ihren Platz. Neuorientierung findet sich zumeist eben nur in der Predigt. Vielleicht sollte man überlegen, wie sich alle 3 Aspekte im ganzen Gottesdienst in gleichem Maße ausdrücken lassen? (zB liturgisch) Der Gottesdienst ist das Herzstück einer Gemeinde, und somit oft auch Aushängeschild eben dieser. Findet man nun fast ausschließlich Elemente der Orientierung und Tradition, kann leicht übersehen werden, dass Kirche mehr zu bieten hat und den Menschen in seiner Ganzheit wahrnimmt – Seelsorge, Bibelkreise (als Beispiel für Phase 2+3) haben sicherlich ihr gutes Recht, aber der ,,normale“ Westeuropäer nimmt meistens eben ausschließlich den Gottesdienst als das, was ,,die Kirche“ so treibt war.
    Tradition und Orientierung zu vermitteln ist im Gottesdienst durchaus wichtig, spielt aber mE. oft eine zu große Rolle. Man muss sich auch vor Augen führen, dass Gottesdienstbesucher (und eben auch die zahlreichen nicht-Besucher) nicht immer umbedingt auf der Suche nach alt-bekanntem sind, sondern sich viel eher nach einer Neuorientierung sehnen – oder eben ihren Schmerz beachtet finden wollen. Vielleicht wäre eine solche ,,ganzheitliche“ Gottesdienstgestaltung ja auch die Möglichkeit, ganz neue Personengruppen zu erreichen, die sonst mit Kirche eher eingefahrene Denkweisen verbinden?…

    Tobias Kirschstein

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