Monthly Archive for Dezember, 2007

Postkarten schreiben

Seit seinem Buch ›The Out of Bounds Church?‹ das durch Postkarten aus Emerging Churches der westlichen Welt gegliedert war, sammelt der Neusseländer Steve Taylor ›Emerging Church Postcards‹. Auf diese Weise entsteht einmal im Jahr eine Sammlung von Postkarten aus unterschiedlichen Gemeinschaften. Diese Postkarten bestehen aus einem Bild des entsprechenden Jahres, welches von Erzählungen der Gemeinschaften begleitet wird. Wie in jedem Jahr sammelt Steve auch nun wieder solche Postkarten, dazu schreibt er folgendes:

So I welcome contributions from any emerging church, anywhere in the world, whether you have done it before or not. Just send me at steve at emergentkiwi dot org dot nz;

a) 1 photo of your emerging community this (07) year;

plus a few sentences in response to these 4 questions;

b) green – what has grown? what has potential into a new year?
c) yellow – what has encouraged you? given you joy?;
d) black – what has been a risk? what has been hard?
e) red – what words describe how you feel? what have you liked? what have you not liked?

Im Laufe des Januars beginnt Steve dann damit die Postkarten auf seinem Blog zu veröffentlichen, daher sollte deine Postkarte auch in diesem Zeitraum bei ihm eintreffen.

Eine solche Postkarte zu schreiben eignet sich meiner Meinung nach wunderbar, dieses Jahr deiner Gemeinschaft noch einmal Revue passieren zu lassen. Auch wenn du keine Postkarte beitragen möchtest empfehle ich die Serie der Postkarten, da sie mir bisher immer ein erfreuliches Bild dessen vor Augen gemalt haben was sich weltweit unter dem Begriff ›emerging church‹ ereignet.

Die vergangenen Serien findest du hier.

Im Gespräch mit Brian McLaren

Daniel Knauft von THE RACE war so freundlich uns auf deren ersten Podcast hinzuweisen. Der Podcast entstand in einer Erlanger Kneipe während des Emergent Forums. Daniel unterhält sich (auf englisch) mit Brian über sein neues Buch, Gerechtigkeit, Reich Gottes, Postmoderne, Kritiker und sein persönliches Leben.

Der Podcast befindet sich hier und ist ungefähr 7 MB groß.

Der nächste Teil des Gesprächs wird Anfang 2008 folgen. Um auf dem Laufenden zu bleiben und dich über den Podcast auszutauschen kannst du auf deren Querdenker-Blog vorbeischauen.

hören #8: Emerging Church als theologische Herausforderung (Brian McLaren, Jason Clark)

Podcast-LogoWer schon immer mal wissen wollte, was “Emerging Church” eigentlich ist (oder was nicht) oder warum “Emerging Conversation” eigentlich der treffendere Begriff ist, dem sei der erste Teil dieses Podcasts von Brian McLaren empfohlen. Und wer noch nie von dem Buch “The Search to Belong” von Joseph R. Myers und den verschiedenen Bereichen von Zugehörigkeit gehört hat, dem sie der zweite Teil von Jason Clark ans Herz gelegt. Und alle anderen vergessen einfach die Vorrede und hören direkt rein ;o)

 
 Emerging Church als theologische Herausforderung [43:56m]: Play Now | Play in Popup | Download

PS: Die Präsentation zu dem Vortrag gibt es hier. Und auch beim Podcast hören #6 haben wir die Präsentation jetzt nachgereicht.

Offener Brief an Helmut Matthies (idea)

Sehr geehrter Herr Matthies,

als Initiatoren des Besuchs von Brian McLaren fühlen wir uns sehr geehrt von der Aufmerksamkeit, die Sie dem Thema Emerging Church entgegen bringen. Wer hätte das gedacht, dass ein paar kleine Zusammenkünfte ohne große Werbung und mit denkbar knappem Vorlauf quasi aus dem Stand zur Chefsache Ihrer Redaktion werden?

Lassen Sie uns in der Antwort auf Ihren Artikel mit den Gemeinsamkeiten beginnen: Wir alle teilen Ihre Kritik an den Zuständen in den USA ohne jede Einschränkung! Genau deshalb haben wir Brian McLaren eingeladen, der mit Tony Campolo und Jim Wallis in seinem Heimatland diese Zustände seit Jahren anprangert und dafür keinen geringen Preis bezahlt hat. Da haben uns Ihre klaren Worte sehr gefreut, weil wir bisher nie so recht wahrgenommen haben, wie kritisch sie die Folgen der Sozialpolitik der aktuellen US-Regierung bewerten.

Ihre nur zu berechtigte Frage “Wie ist es (…) möglich, dass auf ethischem Gebiet wesentlich schlimmere Missstände herrschen als in Deutschland, wo sich nur 1 bis 2% als evangelikal bezeichnen?” wäre durchaus eine vertiefende Serie in Idea wert! Wir schlagen vor, auch die Haltung der Regierung Bush zu Krieg als Mittel der Politik, Todesstrafe und Ökologie noch in die Problembeschreibung einbeziehen. Sind am Ende zu viele Evangelikale einfach nicht gut für ein Land? Und wenn wir schon dabei sind: Welche evangelikalen Ausbildungsstätten hier zu Lande kooperieren eigentlich mit US-amerikanischen Hochschulen, um ihren Absolventen internationale akademische Abschlüsse zu bieten?

Brian McLaren ist wie fast alle, die sich an der emerging conversation beteiligen, im übrigen explizit nicht mit dem Anspruch unterwegs, anderen Rezepte zu geben oder gar Vorschriften zu machen. Im Gegenteil, er kam nach Europa um bewusst zu hören und zu lernen. Er und Jason Clark waren fast schon zu vorsichtig darin, Dinge zu beurteilen, die sie noch nicht gut genug kennen und verstehen. Während andere Bewegungen über große Kongresse und Bücher in hohen Auflagen Themen, Methoden und Konzepte – durchaus zum Segen für viele Gemeinden – hier vorstellen und verbreiten, dreht sich bei unseren Gesprächen um emerging church nun vieles darum, einen offenen Raum zu schaffen, in dem die ungelösten Fragen, die der tief greifende Wandel der letzten Jahre aufbrechen ließ, ohne Konformitätsdruck und ohne falschen reformatorischen Eifer bedacht werden können. Es ist daher kein Gegensatz zu früheren Ansätzen, wohl aber eine Erweiterung und Ergänzung. Über Willow Creek zum Beispiel habe ich nur positive Aussagen gehört in diesen Tagen – keine Abgesänge. Dafür wird das von Ihnen zu Recht genannte schillernde Attribut “wiedergeboren” und damit verbundene Konzepte von Mission und Gemeindeaufbau rigoros auf den theologischen Prüfstand gestellt.

Sie schreiben: “Es ist kaum eine wirklich neue Erkenntnis dabei gewesen.” Das hatte ja auch niemand vorab suggeriert. Vielleicht hat es uns in Deutschland ja auch nie an Erkenntnis gemangelt. Wohl aber hat es uns an zwei Dingen gefehlt: Erstens an dem Mut, Erkanntes konsequent umzusetzen und dabei alte Zöpfe auch einmal abzuschneiden und ausgetretene Pfade zu verlassen; zweitens an der menschlichen Größe, anderen experimentelle Spielräume einzuräumen, Fehler und Scheitern zu tolerieren und den Nachwuchs oder die Pioniere auch dann zu fördern und zu unterstützen, wenn sie unsere eigenen Vorlieben dabei nicht so bedienen, wie wir es gerne hätten. Auch in diesem (nicht dogmatischen) Sinne gilt doch das reformatorische “ecclesia semper reformanda”. Und da stehen wir Deutsche erst ganz am Anfang, meinen wir.

Wir als Initiatoren von emergent Deutschland haben auf zahlreichen Weblogs und in dem jüngst im Francke-Verlag erschienenen Sammelband “Zeitgeist” eigene theologische und praktische Ansätze zu der Thematik von Kirche in der Kultur der Postmoderne vorgelegt. Dabei spielen die Arbeiten großer deutscher Theologen wie Dietrich Bonhoeffer, Jürgen Moltmann oder auch Karl Barth eine wichtige Rolle. Wenn nun ein internationaler Austausch folgt, dann funktioniert dieser – anders als bei vielen früheren “Importen” – in beide Richtungen. Wir Christen in Deutschland haben schon viel länger Erfahrungen mit weltanschaulichem Pluralismus und fortgeschrittener Säkularisierung als die Kirchen in vielen Gebieten der USA. Die Reaktionen fallen auch bei uns unterschiedlich konstruktiv aus. Vielleicht werden wir auch noch ein bis zwei Generationen brauchen, um zu besseren Antworten zu gelangen – das wäre nicht das erste Mal in der Kirchengeschichte. Die Zeiten eines unilateralen “Exports” aber sind vorbei – egal in welche Richtung.

Das bringt uns zum vorletzten Punkt – in Ihren Worten war das die Frage: “Nimmt man eigentlich noch die Erkenntnisse der eigenen „Väter” zur Kenntnis?“ Ja, selbstverständlich: In der ”emerging church“ werden die christlichen Mystiker des Mittelalters wieder entdeckt, wird über Symbolik und Liturgie diskutiert, entstehen Missionsorden und neue Formen klösterlichen, kontemplativen Lebens, blüht das Interesse am ökumenischen Dialog mit den Ostkirchen in Fragen der Soteriologie neu auf; und von den ”liberalen“ Christen oder den Befreiungstheologen Lateinamerikas lernen wir, unsere Gesellschaft aktiv und engagiert mitzugestalten. Es sind keineswegs nur oberflächliche Anleihen, die hier gemacht werden.

Zuletzt: Sie konstruieren einen für unser Empfinden unhaltbaren und irreführenden Zusammenhang zwischen den bedauerlichen Finanznöten einiger Organisationen und neuen Bewegungen, von denen Sie dann nur ”Emerging Church“ explizit nennen. Es hat uns nachdenklich gemacht, dass Sie hier wirtschaftlich und nicht theologisch argumentieren. Schließlich existiert hier gar kein Verein und kein Werk, es werden keine Spenden gesammelt und keine aufwändigen Kongresse veranstaltet, die große Summen verschlingen.

Die Löcher in den Kassen waren also schon längst da. Wie kommen Sie also zu dem Vorwurf, dass einige hier verantwortungslos anderen in den Rücken fallen? Die Studientage über Emerging Church waren mit dem Leitungskreis der Lausanner Bewegung/Koalition für Evangelisation in Deutschland abgestimmt. Diesem Kreis gehören verantwortlich denkende, international vernetzte und keineswegs unkritische Vertreter aus Kirchen und Werken an. Wir haben auch darüber hinaus vieles unternommen, um dieses Gespräch in die kirchliche Landschaft hier zu integrieren.

Es wird im kommenden Jahr sicher eine Fortsetzung der Gespräche der letzten Woche geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich dann selbst ein Bild zu machen, um nicht auf Meinungen aus zweiter Hand angewiesen zu bleiben. Ob Emerging Church wirklich eine ”Bewegung“ wird, halten wir noch nicht für ausgemacht. Die Kirchen in Deutschland wird Gott reformieren – oder auch nicht. Aber vielleicht hat er, wenn er es tut dafür mehr als nur ein einziges Modell im Sinn.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen in dieser adventlichen Zeit der Erwartung das wache Bewusstsein dafür, dass Gottes Erscheinen in dieser Welt unsere Erwartungen und Vorstellungen – ob konservativ oder ”emergent“ – oft in überraschender Weise auf den Kopf stellt.

Mit freundlichen Grüßen,

Peter Aschoff, Dagmar Begemann, Daniel Ehniss, Tobias Faix, Tobias Künkler, Alex Kupsch, Dominik Sikinger, Jens Stangenberg, Björn Wagner, Daniel Weber

Emergent Presseschau

Nach den Studientagen mit Jason Clark und Brian McLaren in Marburg und Hamburg und dem Forum in Erlangen gab es sehr viele Reaktionen auf den Blogs der Teilnehmer. Links zu allen gefundenen Berichten findet ihr hier bei einAugenblick.de.
Damit ihr nicht alle Berichte selber lesen müsst, versuche ich hier in einer kleinen Presse Blogschau einige Stimmen zusammenzufassen:

Reaktionen auf die Studientage:

Wer wissen möchte, was in Marburg (und ähnlich auch in Hamburg) inhaltlich geschah und nicht den Podcast hören möchte, findet auf dem ZeitGeist-Blog einen ausführlichen Bericht von Thomas Weißenborn als pdf. Sein Fazit verrate ich hier schon einmal:

Insgesamt war es ein sehr herausfordernder Tag, gerade auch, weil er keine Antworten lieferte, sondern zum Fragen und Nachdenken anregte. Und da wir als Christenheit die Herausforderungen des Zeitenwechsels nur gemeinsam bestehen können, hoffe ich, dass das Gespräch damit nicht zu Ende ist, sondern erst beginnt.

Als Reaktion auf die fehlenden Frauen auf der Bühne in Marburg drückt Jessie eine Sehnsucht aus, die auch in Erlangen mehrfach thematisiert wurde:

Ich sehne mich nach innovativen, mutigen und initiativen Frauen, die auch mitreden wollen. Und wo sind überhaupt die Frauen? im Netz, die sich über Emerging Church Gedanken machen?

Zum Studientag in Hamburg macht sich Walter zwölf gute Gedanken. Sein fünfter Gedanke, der bei fast allen Bloggern mindestens einmal auftaucht, ist:

Fünfter Gedanke: am wichtigsten sind überhaupt die Menschen. Dass endlich mal die emerging-Interessierten zusammenkommen und man ein Feeling füreinander bekommt und über sehr interessante Sachen reden kann.

Vom Inhalt blieb vielen von den Studientagen und dem Forum vor allem ein Bild von Brian McLaren hängen. Er sagte, dass die emerging conversation nicht ein weiteres Stück vom Kuchen ist, sondern mit der Rinde eines Baumes zu vergleichen ist. Am ausführlichsten (auch mit Bildern) erklärt das Björn Wagner, bei ihm wird auch darüber in den Kommentaren lebhaft diskutiert:

Vielmehr ist emerging church das, was man im Bild eines Baumes verstehen kann. Ein Baum wächst in die Breite, jedes Jahr ein Jahresring mehr. Hier findet seine Auseinandersetzung mit der Umwelt statt…

Kritisch betrachtet Ron Kubsch das Einstiegsreferat von Brian McLaren. Dabei ist besonders die Diskussion in den Kommentaren spannend.
Auch auf anderen Blogs haben sich inzwischen interessante Diskussionen entwickelt, auf die Simon hinweist.

Reaktionen auf das Emergent Forum:

Was in Erlangen die ganze Zeit gemacht wurde, fragten sich einige. Haso hat es uns durch seine Fotos vom Freitag und Samstag gezeigt:

Mittagpause (by haso777)

Weitere Bilder findet man in der flickr-Gruppe:

Vogelperspektive 1 (by dasaweb)

Wie viele der Bilder zeigen ging es in Erlangen vor allem um Austausch und Begegnung. Entsprechend traten auch die beiden Referenten auf, wie Arne berichtet:

So hat man gespürt, dass die beiden Redner, Brian McLaren (US) und Jason Clark (UK), nicht als Gurus auftraten, die Antworten geben, sondern sich sehr weit zurücknahmen und kaum konkrete Impulse gaben. Einigen war das zu vage und zu wenig greifbar. Verständlich, das Brian vieles nur anschnitt, vieles in Bildern und Geschichten verpackte und vor allem vieles zwischen den Zeilen durch die Art und Weise, WIE er über die Dinge sprach rüberbrachte. Deshalb ist es vielleicht zu kurz gegriffen zu sagen, es kam nichts Neues rüber. Der Inhalte wollte entpackt werden in den Gesprächen und Diskussionen, nicht in Präsentationen und Tabellen.

Von den Referenten und dem gesamten Forum sind auch die Leute vom “Koordinationsteam” begeistert, stellvertretend zitiere ich mal Tobias Künkler:

Es war ein großartiger Start, geprägt von einer seltenen und kostbaren gegenseitigen Wertschätzung und echtem Interesse aneinander. Genau dies haben uns auch Brian McLaren und Jason Clark vorgelebt und uns damit mehr und wichtigeres gelehrt, als sie es in tausend Vortragsstunden hätten machen können.

Ja, viele sind vom Forum begeistert, Stefan Burgel hat sogar eine neue Familie gefunden:

Ich kann es gar nicht in Worte fassen, was dieses Wochenende für mich bedeutet. Ich habe so enorm viel dazu gelernt und habe eine neue “Familie” gefunden. So würde ich die Atmosphäre beschreiben. Wir gehören doch alle zusammen, auch wenn wir uns nicht in allen Punkten einig sind. Wir können diskutieren und streiten ohne uns zu verletzen sondern um aneinander zu lernen. Wo gibt es denn so etwas noch?

Wer wissen möchte, über was in Erlangen gesprochen wurde, kann entweder hier auf die Podcasts warten oder zum Beispiel bei Peter Aschoff Gedanken zu Themen wie “Sub- oder Gegenkultur” oder “Bibel-Pingpong” lesen.

Es wurden auf jeden Fall wieder mehr Fragen gestellt, als Antworten gegeben. Das hat auch Jude gemerkt, die sich trotzdem freut, dabei gewesen zu sein:

bin sehr gespannt, was dann passiert, wenn sich der aufgewirbelte staub wieder legt. welches bild habe ich dann von gott, gemeinde, christlichen “standards” wie stille zeit, gebetsgemeinschaften, etc.
ich freue mich darauf. für mich war es ein vorrecht, dabei zu sein, sich neu fragen zu stellen, ohne gleich antworten zu haben. sich mit anderen auszutauschen, mich von ihren fragen inspirieren zu lassen. zusammen einen traum zu träumen. mich über einen gott zu freuen, der mittendrin gewirkt hat. und den ich immer noch -auch mit so vielen fragen in meinem kopf – liebe weil er der liebhaber und der erfinder von gemeinde ist. und weil er mein liebhaber und erfinder ist :-)))

Da bleibt mir nur noch der Hinweis, dass bei den vielen Gesprächen (wie gesagt, Links zu weiteren Berichten über das Forum und die Studientage habe ich hier zusammengestellt), die in der großen “emerging conversation” stattfinden, der Mut zum Verpassen sehr wichtig ist. Auf diesen Mut weist uns Alex Kupsch angeregt durch einen Satz von Haso hin:

Wenn die emerging conversation tatsächlich nicht zentralistisch, sondern netzwerkartig angelegt sein soll, dann muss man wohl seinen Frieden damit machen, nicht immer alles mitzubekommen.